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Politik Attacken auf Polizisten überschatten Wochenende vor Lockdown
Mehr Hessen Politik Attacken auf Polizisten überschatten Wochenende vor Lockdown
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19:01 01.11.2020
Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht auf einer Einkaufsstraße. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main/Wiesbaden

Am letzten Wochenende vor dem Teil-Lockdown haben Sicherheitsbehörden in Hessen im Bezug auf die Einhaltung der Corona-Regeln überwiegend ein positives Fazit gezogen. Es habe nur wenige Verstöße gegeben, erklärten Polizeibehörden am Sonntag. Auch am Vortag war die Bilanz positiv ausgefallen. Eine Ausnahme bildeten Attacken auf Polizeibeamte in Frankfurt und Südhessen. Dort flogen wiederholt Wurfgeschosse auf Beamte. Einen direkten Zusammenhang mit den Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie sahen die Ermittler aber nicht.

Laut der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) strömten viele Gäste noch einmal in die Kneipen und Restaurants. "Man hat direkt an dem Tag von Merkels Regierungserklärung gemerkt, dass die Telefone in kürzester Zeit deutlich mehr geklingelt haben als in den Wochen davor", sagte Goran Petreski, IGF-Vorstand und Geschäftsführer des Frankfurter Restaurants "Vaivai". Viele Betriebe seien komplett ausgebucht gewesen. "Man hätte die Läden in ganz Frankfurt drei- oder viermal füllen können. Die Leute wollten raus und was erleben." Bei aller Freude darüber rechnen die Gastronomen aber nicht mit einer Wiedereröffnung in vier Wochen. "Ich selber erwarte, dass es Anfang Januar weitergeht."

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Dabei war es nicht nur das letzte Wochenende, bevor Kneipen und Restaurant wieder wegen der hohen Infektionszahlen schließen müssen. Am Samstag war auch Halloween - das sich jedoch kaum auswirkte. "Die Menschen sind der Aufforderung nachgekommen, Halloween nicht zu feiern", sagte ein Polizeisprecher in Kassel. Auch in Fulda, Offenbach und Wiesbaden seien keine größeren Probleme gemeldet worden. Ein Polizeisprecher in Gießen sagte, die Nacht sei verlaufen "als ob es Halloween gar nicht gebe".

In Darmstadt allerdings habe am Samstagnachmittag eine größere Personengruppe gegen die Corona-Verordnungen verstoßen und Beamte mit Knallkörpern beworfen, erklärte die Polizei. Verletzt wurde demnach niemand. Von den etwa 100 Personen seien 23 vorwiegend minderjährige Personen festgenommen, durchsucht und anschließend nach Hause geschickt worden.

Für Aufsehen sorgten Attacken in Frankfurt: Beim Versuch einer Streitschlichtung waren am Freitagabend Polizisten tätlich angegriffen worden. Aus einer etwa 25-köpfigen Menschenmenge heraus flogen Steine und Flaschen auf einen 27 Jahre alten Beamten und seine 24-jährige Kollegin. Der Polizist wurde dabei verletzt. In der Nacht zu Sonntag wurde dann nach Polizeiangaben eine Streife auf der Zeil mit Wurfgeschossen attackiert.

Kurz darauf versammelten sich laut Polizeiangaben 500 bis 800 Menschen an der Hauptwache. Aus der Menge heraus flogen Flaschen und Eier auf Beamte. Verletzt worden sei aber niemand. Die Polizei nahm neun Tatverdächtige fest. Acht seien inzwischen mangels Haftgründen wieder entlassen, einer sollte am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt werden. Der hessische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Grün, sagte, dass sowohl der Frust gegen den Teil-Lockdown ein Motiv für die Gewalt am Wochenende sein könne als auch die steigende Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte.

Hessens Landesregierung hatte vor Inkrafttreten der verschärften Corona-Regeln, zu Akzeptanz aufgerufen. "Die Corona-Pandemie ist nicht nur noch da, sie hat sich mit voller Wucht sehr gefährlich weiterentwickelt", sagte Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) am Samstag in einer Regierungserklärung. Am vergangenen Mittwoch hatten die Länderchefs gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strengere Kontaktbeschränkungen beschlossen. Ab Montag dürfen sich bundesweit nur noch Angehörige von höchstens zwei Hausständen treffen, insgesamt maximal zehn Menschen. Gastronomie, Bars, Kneipen, Theater, Kinos oder Opernhäuser müssen ab Montag schließen.

Unterdessen erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Infektionen mit dem Coronavirus in Hessen weiter. Sie stieg am Sonntag im Vergleich zum Vortag um 1074 auf 42 072 seit Beginn der Pandemie registrierte Fälle. Das ging aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor (Stand 00.00 Uhr). Zudem wurden acht neue Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt in Hessen nun bei 654.

dpa