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Politik Platz in Jena nach dem ersten NSU-Mordopfer benannt
Mehr Hessen Politik Platz in Jena nach dem ersten NSU-Mordopfer benannt
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13:53 19.09.2020
Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen. Quelle: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell
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Jena/Nürnberg

Hinterbliebene Şimşeks, Politiker und Jenaer Bürger legten am Samstag weiße Rosen nieder.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief Polizisten dazu auf, rassistischen und rechtsextremen Einstellungen in ihren eigenen Reihen deutlich entgegenzutreten. Zudem sei eine wissenschaftliche Analyse zu Rassismus bei der Polizei mehr als überfällig, sagte er angesichts jüngst aufgedeckter rechtsextremer Chatgruppen von Polizisten in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Ramelow: "Gerade im Polizeiapparat ist eine Kultur notwendig, dass man nicht schweigt und nicht wegschaut."

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Abdulkerim Şimşek, Sohn des NSU-Opfers Şimşek, erinnerte daran, dass damals die Ermittler seine Familie ins Visier nahmen und vielfältigen Verdächtigungen aussetzte statt von einer rechtsextremistischen Gewalttat auszugehen. "Der Staat ist weiterhin auf dem rechten Auge blind", sagte er. Die Urteile im Münchner NSU-Prozess seien zu milde gewesen und schreckten rechte Gewalttäter nicht ab. Zudem seien bis heute nicht alle Hintergründe zur Terrorserie und ihrer Unterstützer aufgeklärt, betonte der 33-Jährige. "Wir müssen noch heute davon ausgehen, dass Mittäter frei herumlaufen."

Der neue Enver-Şimşek-Platz befindet sich im Jenaer Stadtteil Winzerla - dort, wo sich die Haupttäter des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in den 1990er Jahren radikalisiert haben. Später sind sie in Sachsen untergetaucht. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) entschuldigte sich bei den Opfern für das Versagen von Stadt, Behörden und Land dafür, dass die Täter nicht schon damals gefasst wurden. "Unser Anspruch muss es sein sicherzustellen, dass solche Taten nirgends begangen oder toleriert werden."

dpa