Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Opposition fordert bessere ärztliche Versorgung von Kindern
Mehr Hessen Politik Opposition fordert bessere ärztliche Versorgung von Kindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:22 19.05.2021
Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. Quelle: Patrick Seeger/dpa/Archivbild
Anzeige
Wiesbaden

Mit Blick auf große psychische Belastungen in der Corona-Pandemie haben Oppositionsvertreter im hessischen Landtag eine bessere ärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen gefordert. Die SPD-Gesundheitsexpertin Daniela Sommer rief die Landesregierung dazu auf, mehr für die Versorgung junger Patienten zu tun und Engpässe zu beseitigen.

"Bettensperrungen, Personalmangel und etliche Verlegungen weisen auf ernsthafte Probleme hin", sagte sie. In Hessen könne die flächendeckende Versorgung von schwer erkrankten oder verletzten Kindern nicht mehr sicher gewährleistet werden. "Nicht nur auf den Kinderstationen der Kliniken gibt es Probleme, auch der Kinderarztmangel verschärft sich", warnte Sommer. "Besorgniserregend ist, dass bis 2025 etwa ein Viertel der Praxen wegfallen wird, weil Ärzte in den Ruhestand gehen und keine Nachfolge finden."

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion warnte davor, dass chronische Erkrankungen zu spät oder gar nicht erkannt würden. "Gerade in der Corona-Pandemie, die erhebliche psychische Belastungen mit sich bringt, benötigen wir noch einmal mehr Unterstützung und Versorgungsmöglichkeiten."

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Yanki Pürsün, kritisierte: "Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche in Hessen ist derzeit vielerorts leider nicht ausreichend - das gilt für die ambulante wie für die stationäre Versorgung." Zudem berücksichtigten die Abrechnungssysteme nicht ausreichend, dass Kinder eine andere Art der Versorgung benötigten. "Das hat fatale Folgen", sagte Pürsün.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) hielt dagegen, es bestehe kein Anlass, einen landesweiten Versorgungsengpass herbeizureden, der so nicht bestehe. "Die stationäre und ambulante Versorgung für Kinder und Jugendliche in Hessen ist insgesamt gut", sagte er.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hatte diese Woche gewarnt, es gebe "psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben". Experten berichteten davon, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrien wegen der Corona-Pandemie ihre Belastungsgrenze erreicht hätten. Es werde stärker darauf geachtet, wer wirklich eine stationäre Behandlung benötige - daher gebe es eine Verschiebung zu niedergelassenen Psychiatern und Psychotherapeuten, hieß es beim Bundesverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Christiane Böhm von der Linksfraktion erklärte: "Die Folgen der Pandemie werden uns noch über viele Jahre begleiten, gerade bei den Jüngeren." Die pädiatrischen Stationen in den Kliniken dürften nicht länger "ausgedünnt und auf Verschleiß gefahren" werden.

Neben den psychischen Belastungen seien Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie womöglich auch stärker der Gefahr ausgesetzt, Opfer häuslicher Gewalt zu werden, mahnte die sozial- und familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Lisa Gnadl. "Es vermehren sich die Anzeichen, dass das Problem von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Pandemiezeiten vor allem im häuslichen Umfeld stark angestiegen ist", sagte sie.

Fachberatungsstellen hätten ihr berichtet, dass die Anfragen deutlich in die Höhe gegangen und viele schwierige Fälle darunter seien, berichtete Gnadl. Die SPD-Politikerin forderte von der Landesregierung eine langfristige finanzielle Unterstützung der Beratungsstellen - damit diese zusätzliches Personal einstellen könnten.

Der sozialpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Volker Richter, betonte, dass starke familiäre Strukturen Kinder vor Gewalt und Missbrauch schützten. "Ein starker Familienverbund bietet den Halt, den junge Menschen brauchen, um sich nicht selbst zu verlieren, um Selbstbewusstsein aufzubauen und um dadurch weder Opfer noch Täter zu werden." Allerdings zerfielen familiären Strukturen seit Jahrzehnten.

© dpa-infocom, dpa:210519-99-658682/3

dpa