Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Offizier räumt Besitz von Waffe und Sprengkörpern ein
Mehr Hessen Politik Offizier räumt Besitz von Waffe und Sprengkörpern ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:32 28.05.2021
Der wegen Terrorverdachts angeklagte Bundeswehroffizier Franco A. betritt das Gerichtsgebäude.
Der wegen Terrorverdachts angeklagte Bundeswehroffizier Franco A. betritt das Gerichtsgebäude. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
Anzeige
Frankfurt/Main

Im Prozess wegen Terrorverdachts hat Bundeswehroffizier Franco A. weitere Vorwürfe eingeräumt, Anschlagsplanungen aber erneut bestritten. Er habe eine Waffe, Munition und Sprengkörper besessen, sein Motiv sei aber nicht gewesen, diese "tatsächlich für mich zu verwenden", sagte der Angeklagte am Freitag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main. "Ich bestreite, irgendwelche Anschläge geplant zu haben oder Menschen Leid zugefügt haben zu wollen." Er betrachte es aber als nachvollziehbar, dass dieser Verdacht aufgekommen sei.

Laut der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft soll sich der aus Offenbach stammende 32-Jährige aus einer rechtsextremistischen Gesinnung heraus eine falsche Identität als Flüchtling zugelegt haben, um geplante Anschläge als Terrorakte eines anerkannten Asylbewerbers darzustellen. Dies habe das Vertrauen in die Asylpolitik erschüttern sollen. Dazu soll sich der Soldat insgesamt vier Schusswaffen, 1000 Schuss Munition sowie mehr als 50 Sprengkörper beschafft haben.

A. räumte am Freitag in knappen Worten den Besitz einer Pistole ein - er hatte die geladene Waffe in einem Putzschrank einer Wiener Flughafentoilette versteckt und war beim Abholen im Februar 2017 festgenommen worden. In Interviews hatte A. dazu gesagt, er habe die Waffe gefunden und vor dem Abflug rasch versteckt; zurückgekommen sei er, um sie den Behörden zu übergeben. Zu den in der Anklage genannten drei weiteren Waffen äußerte er sich bislang nicht. Die Munition habe zu Ausbildungszwecken in seinem Keller gelagert, fügte er hinzu.

Dass und wie er ein Doppelleben als Flüchtling führte, hatte A. bereits am Dienstag ausführlich geschildert: Er gab sich als französischsprachiger, christlicher Syrer mit dem Namen David Benjamin aus, der auf der Flucht vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seinen Ausweis verlor. Er wurde schließlich in Bayern auf einem zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Bauernhof untergebracht. Vor Ort war er aber nur sporadisch, um weiter seinen Verpflichtungen bei der Bundeswehr nachkommen zu können.

Als Motiv gab er an, dass er die Lage im Jahr 2015 selbst vor Ort recherchiere wollte. Dazu machte er kleine Videoclips mit seinem Handy, von denen einige am Freitag im Gerichtssaal gezeigt wurden. Er filmte und kommentierte, welche Verpflegung die Flüchtlinge erhielten, wie sie untergebracht und gekleidet waren, welches Gepäck sie bei sich hatten. Ziel sei gewesen, das Material zu veröffentlichen, doch dazu sei es wegen seiner Festnahme nicht mehr gekommen.

Der Angeklagte bestritt erneut, Rechtsextremist zu sein. "Ich war damals kein Rassist, Extremist und Nationalist und bin es heute nicht", sagte A., als es in der Verhandlung um seine Masterarbeit mit dem Titel "Politischer Wandel und Subversionsstrategie" ging, die als rassistisch eingestuft und abgelehnt worden war. Er habe den Fehler gemacht, keine Gegenthesen aufzustellen, sagt der Angeklagte dazu. Ansonsten hatte er während seiner umfangreichen, auch in Frankreich und Großbritannien absolvierten Ausbildung immer wieder mit Bestnoten hervorgestochen. Zu den Autoren, die ihn interessierten, zählte A. den Briten David Icke, der rechte Verschwörungstheorien vertritt.

© dpa-infocom, dpa:210527-99-766608/5

dpa