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Politik Offenbacher Krisenstab: Keine weiteren Maßnahmen geplant
Mehr Hessen Politik Offenbacher Krisenstab: Keine weiteren Maßnahmen geplant
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16:12 12.10.2020
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Offenbach/Wiesbaden

Im Corona-Hotspot Offenbach soll es trotz der zugespitzten Situation zunächst keine weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie geben. Es werde insgesamt zehn Tage lang abgewartet, wie die seit Freitag geltenden Regeln wirkten, sagte ein Sprecher der Stadt nach einer Sitzung des Krisenstabes am Montag. Der Inzidenzwert ist am Montag leicht auf 77,5 Fälle pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gesunken, am Sonntag hatte er bei 80,6 gelegen. Zwei Neuinfektionen wurden bekannt.

Es seien nicht nur größere Veranstaltungen oder Feiern gewesen, bei denen sich die Menschen angesteckt hätten, erklärte der Sprecher. Auch viele Pendler, die außerhalb von Offenbach arbeiteten, hätten sich infiziert - etwa in dem Paketzentrum in Obertshausen Ende September. "Bei der Kontaktverfolgung kommen wir kaum mehr hinterher. Es gibt immer mehr Fälle, bei denen wir nicht alle Personen ermitteln können." Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien an ihrer Belastungsgrenze.

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Unterstützt werden sie bei der Kontaktverfolgung und der Durchführung von Tests spätestens ab Dienstag von 16 Sanitätern der Bundeswehr. Die Stadt hatte diese am Wochenende angefordert. Ähnlich wie in der Nachbarstadt Frankfurt gilt in Offenbach derzeit eine Sperrstunde ab 23.00 Uhr in Bars und Restaurants, zudem gibt es Kontaktbeschränkungen im privaten und öffentlichen Raum.

Ein Sprecher des hessischen Landkreistages erklärte, hessenweit sei vielfach bereits aus anderen Abteilungen der Verwaltung Personal zur Unterstützung der Gesundheitsämter hinzugezogen worden. Diese Praxis werde bei einer weiteren Verschärfung der Lage fortgesetzt. Zudem könnten dann auch externe Angebote, wie zum Beispiel vom Land vermittelte Medizinstudierende, interessant werden. Teilweise hätten die Landkreise auch schon neues Personal in den Gesundheitsämtern angestellt oder seien in Vorbereitung dazu.

Das Gesundheitsamt Wiesbaden beispielsweise ist nach Angaben der Stadt derzeit "sehr stark belastet und ausgelastet". "Weitere Dienstleistungen können nicht in gewohntem Umfang angeboten werden, Überstunden sind zur Abarbeitung der anfallenden Aufgaben notwendig", teilte ein Sprecher mit. Die Kontaktpersonennachverfolgung habe oberste Priorität und könne noch abgearbeitet werden - allerdings nur durch die Unterstützung anderer Ämter und mit deutlichen Überstunden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

"Andere notwendige Arbeiten, wie beispielsweise Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz, können aktuell kaum stattfinden", erklärte der Sprecher. Es seien mehr als 20 neue Stellen im Wiesbadener Gesundheitsamt geplant, deren Besetzungen aktuell liefen. "Hinzu kommen einige Honorarverträge für Ärzte und Personen, die das Quarantänemanagement unterstützen."

Auch ein Sprecher des Kreises Marburg-Biedenkopf berichtete von einer hohen Arbeitsbelastung. "Die Kontaktpersonen-Nachverfolgung erfolgt innerhalb von zwei bis drei Tagen, was auch von der Erreichbarkeit der Personen abhängt." Neben den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes setze der Landkreis zusätzlich auch geschultes Personal aus anderen Bereichen der Verwaltung und Medizinstudenten ein.

Aus dem Kreis Groß-Gerau hieß es: "Wir haben Schwierigkeiten, eine kontinuierliche Nachverfolgung sicherzustellen", sagte ein Sprecher zur Überprüfung von Infektionswegen. Die Mitarbeiter würden an den Grenzen arbeiten. Eine Schwierigkeit sei auch, dass die Kooperation der Menschen nicht mehr so ausgeprägt sei wie zu Beginn der Krise. "Es gibt eine zunehmende Skepsis gegen Behörden. Das macht die Arbeit schwierig."

Das Gesundheitsamt im Kreis habe das Land bereits um Unterstützung gebeten, zum Beispiel auch durch die Bundeswehr. Insgesamt seien 60 bis 65 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Infektionswege nachzuverfolgen. Einige seien aber auch Teilzeitkräfte, andere krank oder im Urlaub. Der Kreis lag am Wochenende über der Marke von 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100 000 Menschen.

dpa