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Politik Nebenkläger plädieren im Lübcke-Prozess
Mehr Hessen Politik Nebenkläger plädieren im Lübcke-Prozess
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10:56 10.01.2021
Eine Statue mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts.
Eine Statue mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts. Quelle: Fabian Sommer/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben an diesem Dienstag nach der Weihnachtspause die Nebenkläger das Wort: Der Anwalt der Witwe und der Söhne Lübckes wird das aus seiner Sicht angemessene Strafmaß für den mutmaßlichen Täter Stephan Ernst und den wegen Beihilfe angeklagten Markus H. fordern. Vermutlich kommt es vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt auch noch zum Plädoyer des Anwalts von Ahmed I - Ernst soll den Flüchtling aus dem Irak bei einem Messerangriff vor fünf Jahren schwer verletzt haben.

Die Bundesanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer im Dezember bereits die Höchststrafe für Ernst gefordert: Lebenslange Haft für Mord mit besonderer Schwere der Schuld und anschließende Sicherheitsverwahrung. Dabei verwiesen die Bundesanwälte auf das psychiatrische Gutachten, das dem 47-jährigen Deutschen eine anhaltende Gefährlichkeit bescheinigt. Markus H. soll nach dem Strafantrag der Ankläger neun Jahre und acht Monate Haft verbüßen, wegen psychischer Beihilfe und illegalen Waffenbesitzes. Ernst habe den Mord zwar alleine verübt, doch H. habe ihn in seinem Hass bestärkt und die Tat billigend in Kauf genommen, so die Begründung.

In der Einschätzung von Ernst und dem für ihn geforderten Strafmaß dürften der Anwalt der Witwe und der beiden Söhne Lübckes am Dienstag ähnlich plädieren. Doch gilt das auch für Markus H.? Denn in den vergangenen Wochen ließen die Nebenkläger keinen Zweifel daran, dass sie bei Markus H. nicht nur von Beihilfe, sondern von Mittäterschaft ausgehen.

Anders als die Bundesanwaltschaft schenken sie nicht dem ersten Geständnis Ernsts vor der Polizei nach seiner Festnahme Glauben, sondern seinen Aussagen vor Gericht - in denen er erklärt hatte, auch H. sei mit ihm am Tatort gewesen. Sie hätten Lübcke im Juni 2019 auf der Terrasse von dessen Wohnhaus konfrontiert, geschossen habe Ernst. Ähnlich wie die OLG-Richter während der Beweisaufnahme hatten auch die Bundesanwälte Zweifel an diesen Angaben erkennen lassen. Ernst passe sein Aussageverhalten immer wieder der Situation an, so der Vorwurf. Die Schilderungen der Tatnacht mit einer Beteiligung von H. seien unplausibel.

Dass auch die Richter von dieser Version nicht überzeugt sind, dürfte im vergangenen Oktober die Aufhebung der Untersuchungshaft von H. gezeigt haben. Das Gericht sah damals keinen hinreichenden dringenden Tatverdacht mehr. Für die Familie Lübcke war dies eine Entscheidung, die nach Angaben ihres Sprechers "kaum zu ertragen" war.

dpa