Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Corona-Krise: Notbetreuung an Schulen gut angelaufen
Mehr Hessen Politik Corona-Krise: Notbetreuung an Schulen gut angelaufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:32 16.03.2020
Ein Flipchart mit der Aufschrift «Anmeldung Notbetreuung». Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
Anzeige
Wiesbaden

Hessens Schulen haben am Montag den ersten Tag im Corona-Krisen-Modus bewältigt - und das hat laut Kultusministerium gut geklappt. Bis auf wenige Einzelfälle sei die Rückmeldung zum Start in die ungewöhnliche Schulwoche positiv gewesen, sagte Ministeriumssprecher Stefan Löwer in Wiesbaden mit Blick auf Rückmeldungen aus den 15 Schulämtern. Die Zahl der Kinder, die in die Notbetreuung gebracht wurden, habe sich sehr in Grenzen gehalten. Die Schulämter hätten von einem Kind bis zu acht Jungen und Mädchen pro Schule berichtet. Dies sei wichtig für das Ziel, Menschengruppen derzeit möglichst zu vermeiden, sagte Löwer.

Unterdessen breitete sich das Coronavirus in Hessen weiter aus. Die Zahl der nachgewiesenen Sars-Cov-2-Infektionen stieg am Montag auf 342 (Stand 14.00 Uhr), wie das Sozialministerium mitteilte. Am Vortag waren bis 12.00 Uhr 282 Fälle gemeldet worden. Die meisten Infektionen gab es nun im Raum Fulda (38), außerdem im Kreis Marburg-Biedenkopf (26) sowie im Schwalm-Eder-Kreis (24).

Anzeige

An den Schulen wird landesweit bis zum Ende der Osterferien (18. April) nicht mehr unterrichtet, um die Ausbreitung der Infektionen zu verlangsamen. Es gibt eine Notbetreuung für Kinder von Eltern, die beispielsweise in einem Krankenhaus oder bei der Polizei arbeiten. Die Regelung gilt auch für die Kindertagesstätten in Hessen, die ebenfalls geschlossen haben. Am Montag hatten Schüler und Lehrer noch einmal die Gelegenheit, in die Schulen zu kommen, um Verabredungen für die unterrichtsfreie Zeit zu treffen oder persönliche Lehr- und Lernmaterialien abzuholen.

In den einzelnen Schulen laufe die Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern teils auf unterschiedlichen Wegen - auch je nach digitaler Ausstattung, erklärte Ministeriumssprecher Löwer. Oft würden Aufgaben per E-Mail von den Lehrern verschickt.

Arbeitsblätter per Mail, Arbeiten auf Online-Plattformen - für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind solche Wege angesichts der Schulschließungen nötig. "Wir wissen nicht, ob das funktioniert, aber wir müssen es versuchen", sagte die Vorsitzende der GEW Hessen, Maike Wiedwald. Es sei wichtig, über die Schließzeit Kontakt mit den Schülern zu halten und sie weiter lernen zu lassen.

"Vielleicht ist das auch eine Chance, selbstverantwortliches Lernen weiter zu üben", sagte Wiedwald. Für den besten Weg hält Wiedwald eine E-Mail an die Eltern mit Anhängen. Online-Plattformen findet sie "eher schwierig" - vor allem, weil es viele verschiedene gebe und nicht alle Eltern entsprechend ausgestattet seien. "Ob die Kinder mitziehen, wissen wir alle nicht", sagte die Biologie-Lehrerin. Für Lehrer gehe es darum, den Schülerinnen und Schülern motivierende Aufgaben zu stellen. "Aber auch die Eltern müssten in dieser Ausnahmesituation dazu beitragen, dass das Lernen zu Hause gelingt."

Manche Schulen hätten die Eltern in Schichten in die Schulen gerufen, um Arbeitsaufträge für die Kinder abzuholen, andere hätten die Aufträge per E-Mail verschickt, berichtete der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci. In einigen Fällen hätten die Lehrer die Aufgaben sogar persönlich zu den Eltern gebracht. "Es gab mehr Postiv- als Negativbeispiele", sagte Ekinci.

Die hessische Schülervertretung begrüßte die flächendeckenden Schulschließungen. "Auch wenn SchülerInnen eine sehr niedrigere Sterberate haben, dienen sie als ÜberträgerInnen des Virus und dementsprechend sollten so viele Vorkehrungen wie möglich getroffen werden, das Virus einzudämmen", erklärte der Landesschulsprecher Paul Harder. Mit Blick auf den Schulstoff, der in die Zeit der Schließungen fällt, hätte sich die Schülervertretung mehr konkrete Vorgaben des Kultusministeriums gewünscht, teilte Harder mit.

Nach seinen Worten könnte ein hessenweites Schulportal vom Ministerium das Lernen in der Krisenzeit deutlich vereinfachen. "Genauso wie es ein deutlich digitalisierteres Bildungssystem und deutlich digitalisiertere Schulen getan hätten." Insgesamt sei die Schülerschaft sehr gespalten bei dem Thema Schulschließungen, schätzte Harder. "Die einen freuen sich darüber, länger keine Schule zu haben, die anderen haben Sorge um ihre Noten."

Vor allem die Abiturienten sähen den rein digitalen Kontakt zu den Lehrkräften kritisch und hätten die Befürchtung, nicht richtig vorbereitet zu werden. "Man muss hierbei jedoch beachten, dass die Angst auch bei regulären Abiturklassen weit verbreitet ist."

dpa

Anzeige