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Politik Maskenpflicht in Kitas erschwert die Arbeit für Erzieher
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09:52 02.05.2021
Kinderhände und ein Regenbogen sind an einer Kita zu sehen.
Kinderhände und ein Regenbogen sind an einer Kita zu sehen. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Die Maskenpflicht für Erzieher erschwert die Arbeit mit Kindern. "Das ist schon ein Hindernis", sagte Stefan Dinter, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Kinderarbeit Hessen, der Deutschen Presse-Agentur. Je kleiner die Kindern, desto größer seien die Einschränkungen in der pädagogischen Arbeit.

In Hessen wurde vor einem Jahr die Maskenpflicht eingeführt - und danach auf immer weitere Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen ausgeweitet. Erzieher in Kitas sind erst seit einer Woche offiziell verpflichtet, bei der Arbeit medizinische Masken zu tragen, zuvor wurde das nur empfohlen. "Das macht unsere Arbeit auf jeden Fall komplizierter."

Erzieher hätten die Erfahrung gemacht, dass die Gruppen seit Einführung der Maskenpflicht tendenziell lauter und "rabaukiger" seien, berichtete Dinter. Die Kinder würden öfter nicht verstehen, was die Erzieher sagen - das führe dazu, dass die Erwachsenen vor allem kurze Sätze bildeten. "Es besteht die Befürchtung, dass das Folgen hat für den Spracherwerb."

Rückmeldungen gibt es auch von den Kindern. "Sie haben gesagt, dass sie es doof finden, weil man nicht sieht, ob jemand traurig oder fröhlich ist", berichtete Dinter. Mit der Maske sei auch die nonverbale Kommunikation eingeschränkt: Bevor kleine Kinder etwas machten, schauten sie oft zur Erzieherin, um zu sehen, ob sie besorgt, neutral oder wohlwollend schaut. "Diese Art von Feedback ist nicht da", sagte Dinter.

Besonders schwierig ist aus Sicht der Landesarbeitsgemeinschaft die Eingewöhnung neuer Kinder in der Einrichtung. "Ein Kleinkind kann sich nicht bei einem Masken-Menschen eingewöhnen", sagte Dinter. Erziehern ist es jedoch erlaubt, aus pädagogischen Gründen die Maske abzunehmen, zum Beispiel um ein Kind zu trösten.

Auch die Arbeit mit Behinderten wird durch die Maske erschwert. In der Therapie von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung zum Beispiel ist Gesichtsbedeckung hinderlich, wie Karoline Teufel, die Leiterin des Frankfurter Autismus-Therapie- und Forschungszentrums, berichtete. Eines der Förderziele sei es, Mimik richtig zu interpretieren - "mit Maske vor dem Mund ist das kaum möglich", sagte Teufel der dpa.

Ende April 2020 hat die hessische Landesregierung den Mund-Nasen-Schutz beschlossen. Zunächst galt das nur für den öffentlichen Personennahverkehr und Geschäfte. Später wurde die Verpflichtung auf Teile des öffentlichen Raums und Schulen ausgeweitet, die Kitas kamen in Hessen erst im August 2021 dazu.

Geändert wurden auch die Vorgaben, welche Masken zulässig sind. Anfangs wurde bewusst zu Stoffmasken geraten, weil medizinische Masken knapp waren und dem Gesundheitswesen vorbehalten bleiben sollten. Ende Januar wurden FFP2- und OP-Masken Pflicht. Mit der Bundes-Notbremse sind in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei körpernahen Dienstleistungen ausschließlich FFP2-Masken erlaubt.

© dpa-infocom, dpa:210501-99-426177/3

dpa