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Politik Maskenpflicht an Hessens Schulen bald ab der ersten Klasse
Mehr Hessen Politik Maskenpflicht an Hessens Schulen bald ab der ersten Klasse
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19:22 11.02.2021
Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter an eine Tafel.
Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter an eine Tafel. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

An Hessens Schulen gilt künftig schon ab der ersten Klasse eine grundsätzliche Maskenpflicht. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag nach der Sitzung des hessischen Corona-Kabinetts in Wiesbaden an. Es müsse aber nicht zwingend eine medizinische Maske sein. Das Land empfehle diese Masken zwar, ordne sie aber nicht konkret an, sagte Lorz. Für Kita-Kinder soll es dagegen im geplanten eingeschränkten Regelbetrieb ab 22. Februar keine Maskenpflicht geben, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne).

Beim geplanten Wechselunterricht an den Schulen - ebenfalls ab 22. Februar - für die Klassen ein bis sechs soll nach Vorgaben des Kultusministeriums so viel Präsenzunterricht wie möglich für so viele Schüler wie möglich angeboten werden. Dabei sei sicherzustellen, dass der Schwerpunkt auf den Fächern Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache und - in der Grundschule - Sachunterricht liege, heißt es in einem Schreiben an die Schulleitungen.

Bei Wechselunterricht werden die Schulklassen aufgeteilt. Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen tauschen tage- oder wochenweise. So werden Kontakte reduziert und Abstände können besser eingehalten werden. Die Schulen können laut Ministerium ihre spezifischen Modelle flexibel den vor Ort gegebenen räumlichen, personellen und organisatorischen Gegebenheiten anpassen.

Das Land beginne wie angekündigt bei einem ersten Öffnungsschritt mit den Schulen und Kitas, "weil wir Kinder in der Bildung nicht abhängen dürfen", betonte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Wechselunterricht sei auch eine spürbare Entlastung für die Familien und die Betreuungssituation zuhause, erklärte Lorz. Zudem gebe es weiter eine Notbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden oder aus Familien, in denen beide Elternteile arbeiten. Ab der siebten Klasse bleibt es in Hessen - mit Ausnahme der Abschlussklassen - vorerst bei Distanzunterricht. "Falls der Trend zur Reduzierung der wöchentlichen Inzidenzwerte anhält, planen wir, auch sie so bald wie möglich wieder in die Schulen zurückzuholen", erklärte Lorz.

Die Vorgaben zum regelmäßigen Lüften gelten weiterhin. "Weil es aber wegen der aktuellen Temperaturen, insbesondere in Ost-, Mittel- und Nordhessen nicht überall konsequent möglich ist, haben dort die Schulen für einige Tage teilweise auf Distanzunterricht umgestellt", teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Bouffier warb für Verständnis, dass der Lockdown im Kampf gegen Corona fortgesetzt wird. Die Zahlen der Neuinfektionen müssten "weiter runter", vor allem mit Blick auf Virusvarianten, die als ansteckender gelten, sagte er und kündigte an, dass bis 3. März ein Perspektivplan erarbeitet werden soll. An dem Tag wollen die Regierungschefs von Bund und Ländern wieder beraten, wie es mit den Corona-Maßnahmen weitergeht.

Am Mittwoch war beschlossen worden, den derzeitigen Lockdown zunächst bis 7. März fortzusetzen. Eine Ausnahme soll es für Friseursalons geben, die am 1. März unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen.

Die Verlängerung des Lockdowns sei notwendig und zugleich ein "herber Schlag für unsere Wirtschaft", erklärte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). "Die Situation in der Gastronomie, im Handel, in der Veranstaltungs- und Messebranche und Freizeitwirtschaft sowie in Kunst und Kultur ist sehr ernst." Al-Wazir verwies darauf, dass die Auszahlung der staatlichen Corona-Hilfen weiter voran gehe und nun Anträge auf Überbrückungshilfe III gestellt werden könnten.

Inzwischen seien in Hessen mehr als dreiviertel der Anträge auf Novemberhilfe und knapp ein Drittel der Anträge auf Dezemberhilfe abschließend bearbeitet und das Geld komplett überwiesen, sagte der Wirtschaftsminister. Insgesamt sind demnach bereits 390 Millionen Euro an November- und Dezemberhilfe an hessische Betriebe geflossen, 235 Millionen Euro allein an die Gastronomie.

Der Handelsverband Hessen erklärte, die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen und des hessischen Corona-Kabinetts seien eine "schwere Enttäuschung". Der Einzelhandel habe mit funktionierenden Hygienekonzepten dafür gesorgt, dass Einkaufen auch in Pandemiezeiten sicher sei. Das zeige der Lebensmitteleinzelhandel Tag für Tag. Der neuen Festlegung des Inzidenzwertes auf 35 für die Wiedereröffnung der Geschäfte fehle jede nachvollziehbare Basis. Die Lage vieler Händlerinnen und Händler sei "aussichtslos", sagte Hauptgeschäftsführer Sven Rohde. "Es fehlt neben schneller finanzieller Entschädigung auch eine Planungssicherheit und klare Perspektive."

© dpa-infocom, dpa:210211-99-401392/4

dpa