Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Linke: "Awareness"-Konzept gegen sexuelle Übergriffe
Mehr Hessen Politik Linke: "Awareness"-Konzept gegen sexuelle Übergriffe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:11 20.04.2022
Anzeige
Frankfurt/Main

Der Frankfurter Kreisverband der Linken-Partei will mit einem "Awareness"-Konzept auf Vorwürfe sexueller Übergriffe bei den hessischen Linken reagieren. "Wir sehen uns als Kreisvorstand besonders in der Verantwortung dafür, alles dafür zu tun, um sexualisierte Gewalt und Übergriffe zu verhindern und Sexismus in unserer Partei an der Wurzel zu bekämpfen", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung. So soll ein Team aufgestellt werden, dass als Ansprechpartner für Betroffene aller Arten von Gewalt und Diskriminierung zur Verfügung steht.

Auch wenn die Staatsanwaltschaft Wiesbaden berichtet habe, "dass alle drei strafrechtlichen Verfahren gegen Mitglieder unserer Partei mangels hinreichendem Tatverdachtes eingestellt worden seien, ist dies kein Grund, uns nicht mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Denn es umfasst weit mehr, als strafrechtliche Aspekte", sagte der Frankfurter Kreisvorsitzende Axel Gerntke.

Am vergangenen Freitag waren über einen Bericht das Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" mutmaßliche Fälle sexualisierter Gewalt in der hessischen Linkspartei öffentlich geworden. Es gebe verschiedene Dokumente mit Hinweisen auf "mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur", schrieb das Nachrichtenmagazin nach Gesprächen mit zehn Frauen und Männern.

Die Co-Chefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, hat am Mittwoch auf ihrer Webseite mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt erklärt, den sie vor allem mit privaten Gründen begründete. Als weitere Gründe nannte Hennig-Wellsow eine nötige Erneuerung der Partei. Sie erwähnte zudem den Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen. Dieser habe eklatante Defizite der Partei offen gelegt.

Die Vorwürfe seueller Übergriffe sind am Mittwochabend auch Thema einer Krisensitzung des Bundesvorstands der Linken. Der hessische Landesverband der Partei will sich am Donnerstag in Frankfurt zum weiteren Vorgehen im Umgang mit den Vorwürfen äußern.

Die Jugendorganisation der Partei, Linksjugend Solid, sieht in den bekanntgewordenen Vorwürfen innerhalb der Linkspartei ein bundesweites Problem. Seit Freitag habe die mit der Linken verbundene Organisation mit "mehr als 30 weiteren Betroffenen" gesprochen, sagte Solid-Bundessprecherin Sarah Dubiel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Es kämen "immer wieder neue Meldungen dazu", sagte Dubiel.

Dubiel forderte von der Partei die Hinzuziehung unabhängiger Experten für eine "ganzheitliche Aufklärung" und die Einrichtung eines Fonds für Betroffene. "Wir fordern, dass die Partei einen Fonds einrichtet für alle Betroffenen, die innerhalb der Partei sexuelle Übergriffe erlebt haben. Daraus sollte ein Solidaritätsbeitrag finanziert werden, der die Betroffenen etwa bei Gerichts- und Anwaltskosten unterstützt. Sie dürfen nicht alleingelassen werden", sagte sie der dpa. Zuvor hatte auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über die Forderungen berichtet.

© dpa-infocom, dpa:220420-99-976564/4

dpa