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Politik Mehr Impftempo bei Lehrern gefordert: DRK hilft bei Tests
Mehr Hessen Politik Mehr Impftempo bei Lehrern gefordert: DRK hilft bei Tests
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14:42 22.04.2021
Thorsten Bonifer, Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Groß-Gerau, spricht.
Thorsten Bonifer, Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Groß-Gerau, spricht. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert schneller Corona-Schutzimpfungen für das pädagogische Personal an Hessens Schulen. Nach einer Schätzung des Kultusministeriums werde es bis Ende Mai dauern, bis alle Lehrer ein erstes Impfangebot erhalten haben, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch am Donnerstag in Wiesbaden. "Das muss deutlich schneller gehen, Hessen impft leider langsamer als die anderen Bundesländer."

Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass der volle Coronaschutz nicht sofort nach der ersten Impfung gegeben sei. Für Kinder gebe es bislang überhaupt keinen zugelassenen Impfstoff. "Daher benötigen wir auch weiterhin höchste Gesundheitsschutzstandards an den Schulen", betonte die hessische GEW-Landesvorsitzende.

Die Gewerkschaft machte sich zudem dafür stark, dass die Schüler ab Klasse sieben zumindest tageweise wieder in den Wechselunterricht zurückgeholt werden. Außerdem müsse wegen der Einschränkungen des Schulbetriebs besonders auf die ohnehin sozial benachteiligten Kinder sowie auf die Schüler mit Migrationshintergrund geachtet werden. Diese Kinder verfügten seltener über eigene digitale Geräte und könnten von zu Hause oft nicht ausreichend unterstützt werden.

Grundschulen sollten nach Einschätzung der GEW deswegen spätestens zum kommenden Schuljahr in die Lage versetzt werden, diese Kinder intensiv und individuell zu fördern und zu unterstützen. Dazu seien zusätzliche Ressourcen für Grundschulen in allen Bereichen dringend erforderlich.

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs haben in Hessen derzeit grundsätzlich Wechselunterricht. Die Jahrgänge ab Klasse sieben bleiben im Distanzunterricht mit Homeschooling und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht. Seit Anfang der Woche gibt es eine Corona-Testpflicht an den Schulen im Land.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet Seminare an Schulen an, um bei der Corona-Testpflicht an den Schulen zu helfen. Nach Angaben des Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes Groß-Gerau, Thorsten Bonifer, gibt es das Schulungsangebot seitens des DRK und Kultusministeriums für alle Schulen im Land. Ein wichtiges Thema für die Lehrer sei bei den Seminaren der Umgang mit infizierten Schülern. "Oft sind Eltern besorgt, dass dann mit dem Finger auf ihr Kind gezeigt wird."

Um die Situation zu entschärfen, schlug der DRK-Mitarbeiter vor, dass der Lehrer mit allen Kindern direkt nach den Tests auf den Schulhof geht. So werde vermieden, dass die Kinder sehen, wenn bei jemandem der zweite Strich auf dem Testergebnis erscheint - ein Indiz für eine Infektion mit dem Coronavirus. Während die Kinder auf dem Hof sind, kontrolliert nach 15 Minuten ein anderer Lehrer die Testergebnisse und gibt Bescheid, falls ein positives Ergebnis dabei sein sollte.

"Auf dem Schulhof wird das Kind dann zur Seite genommen, während die anderen reingehen", erklärte der Fachmann vom DRK. Zwar würden die Mitschüler auch so erfahren, wer infiziert sei. Auf diese Weise sei es jedoch psychologisch günstiger. Außerdem sitze das infizierte Kind nicht noch eine weitere Viertelstunde mit anderen Menschen in einem geschlossenen Raum. Bonifer geht davon aus, dass die Lehrer schon bald auch für mehr Disziplin bei den Tests werden sorgen müssen. "Noch ist das alles für die Schüler neu und spannend, da herrscht Ruhe. Das wird sich ändern."

Nach Einführung der Corona-Testpflicht für Schüler läuft auch eine Diskussion über regelmäßige oder sogar verpflichtende Test für Kindergartenkinder. Die Stadt Frankfurt befürwortet einen solchen Schritt für Kita-Kinder. "Das wäre gut, denn Testen gibt Sicherheit und schützt", sagte die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Die Tests sollten zu Hause von den Eltern durchgeführt werden, so dass ein Kind bei einem positiven Ergebnis erst gar nicht in die Kita kommen würde. Seit Beginn des Jahres hätten in den Frankfurter Kitas 6,5 Prozent der getesteten Kinder ein positives Ergebnis gehabt. In etwa jeder achten Kita sei das Virus an mindestens drei Menschen weitergegeben worden.

Ähnlich sieht das Thema Testpflicht auch Sabine Herrenbrück, die bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Darmstadt für die Kitas zuständig ist. "Dies sollte auf jeden Fall eingeführt werden", sagte sie. Die EKHN könne als Träger Tests anbieten, allerdings gebe es keinen entsprechenden Beschluss der Regierung und daher auch keine Finanzierungszusage.

Die Gewerkschaft Verdi forderte, die Kita-Kinder mindestens wöchentlich von den Eltern mit kindgerechten Tests wie Lolly- und Gurgeltest oder Zungenabstrich testen zu lassen und den Einrichtungen das Testergebnis verbindlich mitzuteilen. Die Erzieherinnen sollten die Tests nur in Ausnahmefällen durchführen, da deren Arbeitsbelastung ohnehin schon sehr hoch sei.

"Hier muss das Land Hessen in Abstimmung mit den Trägern zügig ein kindgerechtes und medizinisch fundiertes Testangebot an Eltern machen", erklärte Gewerkschaftssekretärin Kristin Ideler. Die Gewerkschaft GEW hat gefordert, die Testpflicht auf Kita-Kinder auszuweiten und die Tests zweimal die Woche zu Hause von den Eltern durchführen zu lassen.

Zumindest ein Testangebot für Kita-Kinder hatte die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, Nancy Faeser, gefordert. "In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gibt es bereits entsprechende Angebote - ich kann keinen Grund erkennen, warum Hessen hier zögert", sagte sie. Die Kosten der Tests für Kita-Kinder sollten Bund, Land und Kommunen zu gleichen Teilen tragen.

Das Bistum Limburg hält Tests für die Kita-Kinder im häuslichen Umfeld ebenfalls für sinnvoll, setzt allerdings auf Freiwilligkeit. Eine Testpflicht könne zu Debatten und Widerständen führen, sagte ein Sprecher. Mit dem Angebot freiwilliger Tests hätten die Einrichtungen dagegen gute Erfahrungen gemacht. Wie für die Kita-Mitarbeiter sollten vom Land auch für die Kleinen zwei Tests pro Woche bereitgestellt werden.

Seit dieser Woche gibt es für die Schulen in Hessen eine Testpflicht, zweimal pro Woche sollen sich Lehrer und Schüler testen lassen. In den Kitas gibt es zwar weiterhin ein regelmäßiges Testangebot für die Erzieherinnen, die kleinen Kinder dort sind nach der derzeitigen Regelung von den Testungen ausgenommen.

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dpa