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Politik Kommunen organisieren Vergabe von geplatzten Impfterminen
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16:05 14.04.2021
Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand.
Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand. Quelle: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

Wer dringend auf eine Corona-Impfung wartet, sollte sich auch bei seiner Stadt oder dem zuständigen Landkreis melden. Denn dort werden Termine vergeben, die zuvor nicht wahrgenommen wurden. Im Fall des Impfstoffs vom Hersteller Astrazeneca ist dies im Schnitt derzeit bei jedem vierten Termin der Fall, erklärte das Innenministerium am Mittwoch in Wiesbaden. Das Land empfiehlt deshalb den Impfzentren "eine maßvolle Überbuchung". Voraussetzung für eine Anmeldung für die Nachrückerlisten der Kommunen sind die geltenden Priorisierungsvorgaben und eine Registrierung beim Land Hessen.

Der Odenwaldkreis berichtete am Mittwoch, die bisher geführte Backup-Liste mit Beschäftigten aus den Bereichen Medizin und Pflege sowie dem Rettungsdienst sei erschöpft. Deshalb werde eine neue Nachrückerliste angelegt. Auch Menschen der dritten Priorisierungsgruppe könnten sich dafür bereits melden - dazu zählten Menschen zwischen 60 und 70 Jahren oder medizinisch vorbelastete Personen, Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz sowie Personal im Lebensmitteleinzelhandel. Der Astrazeneca-Impfstoff wird derzeit nur noch Menschen gespritzt, die älter als 60 Jahre sind.

Der Kreis Limburg-Weilburg will das inzwischen vorhandene Überangebot des Impfstoffs bei einem "Sonderimpftag" kommenden Samstag (17. April) verabreichen. "Insgesamt können in dieser Zeit 600 zusätzliche Termine für die Impfung gegen das Coronavirus angeboten werden", erklärte der Kreis. Anmelden können sich Krankenversicherte, die vor dem 1. Mai 1951 geboren wurden. Am Sonntag gibt es im Werra-Meißner-Kreis einen Sonderimpftag für über 80-Jährige - ebenfalls mit Astrazeneca-Impfstoff. Auch in vielen weiteren Städten und Kreisen werden Listen für Nachrücker geführt oder vorbereitet.

Der Landkreis Kassel will ab diesem Freitag mit einer eigenen Plattform täglich 100 zusätzliche Termine vergeben - und kritisierte die Terminvergabe des Landes als schleppend und chaotisch. Es hätten sich Bürger gemeldet, die seit neun Wochen warteten, sagte ein Sprecher. Teils seien vom Land vergebene Termine nicht bei ihnen angekommen, teils seien ans Land gemeldete Termine nicht freigeschaltet worden. Auch hier soll überwiegend Impfstoff von Astrazeneca verabreicht werden. Die Kritik wies ein Sprecher des Innenministeriums zurück. Er räumte aber ein, durch sich ändernde Rahmenbedingungen wie etwa für den Impfstoff Astrazeneca habe es immer wieder Anpassungsbedarf gegeben.

Die Landesregierung appellierte an alle Hessen, ihren Impftermin wahrzunehmen. Sei dies nicht möglich, dann sollte er frühzeitig über das Registrierungsportal storniert werden. "Dadurch erhalten dann andere Registrierte schneller die Möglichkeit, einen Impftermin zu erhalten", erklärte der Ministeriumssprecher.

Impfberechtigt sind derzeit Menschen mit höchster und hoher Priorität nach der Coronavirus-Impfverordnung. In Hessen sind laut Ministerium etwa 550 000 Menschen in der Gruppe mit höchster Priorität. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Seniorinnen und Senioren, die mindestens 80 Jahre und älter sind. Die Anzahl der Berechtigten in Hessen mit hoher Priorität wird auf etwa 1,5 Millionen geschätzt.

Geprüft werde zudem, wann weitere Personengruppen ein Impfangebot erhalten könnten. Speziell bezogen auf den Impfstoff von Astrazeneca habe das Bundesgesundheitsministerium erlaubt, dass auch vor der Öffnung der nächsten Priorisierungsgruppe 3 bereits den 60- bis 69-Jährigen ein Angebot gemacht werden könne.

Bis Mittwoch (14. April) seien insgesamt 891 094 Erstimpfungen und 423 102 Zweitimpfungen in den 28 hessischen Impfzentren durchgeführt worden. Rund 390 000 registrierte Impfberechtigte warten derzeit noch auf einen Termin, wie das Ministerium mitteilte. Für den Großteil komme der Impfstoff von Astrazeneca infrage.

Die Anzahl von Impfdosen, die nicht genutzt werden konnten, sei gering, erläuterte der Ministeriumssprecher. Hintergrund seien dabei hauptsächlich verunreinigte Chargen gewesen.

© dpa-infocom, dpa:210414-99-203228/2

dpa