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Politik Klose angesichts Impfstoff-Knappheit: Ältere zuerst
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17:02 30.11.2021
Eine Impfspritze liegt in einer medizinischen Schale.
Eine Impfspritze liegt in einer medizinischen Schale. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden/Kassel/Hanau

Angesichts des Ansturms auf die Corona-Schutzimpfungen wächst in einigen Regionen Hessens der Unmut über Impfstoff-Engpässe. Im Impfzentrum von Hessens größter Stadt Frankfurt drohte am Dienstag der Impfstoff auszugehen. Die Lage sei "angespannt", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsamts am Dienstag. Ob und wann die Liefermengen aufgestockt werden, wisse man nicht. Am Mittag hatte sich bereits eine rund 100 Meter lange Warteschlange vor dem Impfzentrum an der Messe gebildet. Auch der Main-Kinzig-Kreis berichtete von ersten Problemen in den Impfstellen. Bereits am Montagabend hatte die Stadt Frankfurt Angebote wie den Impfexpress eingeschränkt und Sonderimpfaktionen abgesagt. "Ganz Frankfurt ist stinksauer auf Berlin", hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gesagt.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) legte angesichts des Ansturms jüngeren Menschen nahe, Älteren den Vortritt zu lassen. "Es ist ja nicht so, dass der Impfschutz plötzlich am sechsten Monat plus einen Tag einfach aufhört", sagte Klose dem privaten Radiosender Hit Radio FFH. Vielmehr bauten die Menschen den Immunschutz langsam ab, und je älter sie seien, desto schneller gehe das. "Deshalb ist es jetzt ganz wichtig, dass zunächst mal die Älteren, die Vorerkrankten, die Immunsupprimierten zur Auffrischimpfung kommen können", erklärte der Minister. Alle anderen bat er, sich noch etwas zu gedulden. "Bei den wenigsten von uns dürfte es auch wirklich schon sechs Monate her sein", sagte Klose.

Der Präsident des Hessischen Landkreistages, Lahn-Dill-Landrat Wolfgang Schuster (SPD), sagte, die Politik auf Landes- und Bundesebene dürfe nicht außer Acht lassen, dass man die für das Impfen vor Ort benötigten Strukturen nicht nach Belieben auf- und abbauen könne. "Die hessischen Landkreise haben den Betrieb der Impfzentren im September dieses Jahres eingestellt und die Einrichtungen geschlossen, da die Finanzierungszusagen von Bund und Land nicht verlängert wurden - und dies, obwohl zu dieser Zeit bereits über Booster-Impfungen diskutiert worden ist."

Zugleich plädierte er für den Blick nach vorn: "Unabhängig von der Vergangenheit müssen jetzt alle staatlichen Ebenen gemeinsam nach vorne schauen und ihre Kräfte bündeln", erklärte er. "Die 21 hessischen Landkreise sind selbstverständlich dazu bereit, gemeinsam mit den vorrangig für die Impfungen in der Fläche zuständigen niedergelassenen Ärzten ihre Infrastruktur anzubieten und damit die Versorgung der hessischen Bevölkerung mit Impfungen zu ergänzen und zu gewährleisten."

Derweil schilderten Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und die Erste Beigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, Susanne Simmler (beide SPD), den Ansturm auf die Impfangebote. "Viele tausend Menschen fragen jede Woche nach einer Impfung, telefonieren sich durch alle bekannten Praxen, stehen stundenlang Schlange, rufen sogar in der Stadtverwaltung an", erklärten sie. In einer der Impfstellen sei es bereits zu einem verspäteten Start gekommen, weil die Lieferkette bis zur kooperierenden Apotheke nicht reibungslos funktioniert habe. Zudem hätten sich erste Hausarztpraxen schon am vergangenen Freitag und am Wochenende direkt beim Kreis gemeldet, um Hilfe zu bekommen. Impftermine seien kurzfristig ausgebaut worden, nun müsse die Ärzteschaft wohl vermehrt stornieren und Bürger vertrösten. Zugleich forderte der Landkreis ein "sofortiges Gegensteuern aus Berlin".

Im Impfzentrum des Landkreises Kassel im nordhessischen Calden herrscht unterdessen nach Angaben eines Pressesprechers bislang keine Impfstoff-Knappheit. Mit 1200 Impfungen pro Tag sei das Zentrum derzeit voll ausgelastet. "Unsere Terminangebote und die Auswahl der Impfstoffe haben wir der aktuellen Situation angepasst", teilte er mit. So fänden alle Booster-Impfungen für über 30-Jährige mit Moderna statt - allerdings nicht immer ohne Probleme: "Das Wechseln zu Moderna wird nicht von allen Menschen akzeptiert", berichtete er. Die größten Probleme sähen diejenigen, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca, eine Zweitimpfung mit Biontech und jetzt eine Drittimpfung mit Moderna erhielten.

© dpa-infocom, dpa:211130-99-198589/3

dpa