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Politik IT-Experte: Nachverfolgung von Datenbank-Abfragen möglich
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07:50 31.07.2020
Ein Beamter sitzt mit Kopfhörern vor einem Computer in einem Büro. Quelle: picture alliance / Christian Charisius/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden/Rostock

Dabei waren persönliche Daten von Empfängerinnen der Schreiben von hessischen Polizeicomputern aus abgefragt worden, ohne das direkt klar ist, welcher Beamte am Bildschirm saß. Es sei bei Datenbanksystemen aber bereits seit Jahrzehnten Standard, dass sich Nutzer in kürzester Zeit neu einloggen können, sagte der Informatik-Professor Andreas Heuer der Deutschen Presse-Agentur von der Universität Rostock. Damit sei problemlos eine lückenlose Dokumentation möglich, wer welche Informationen abgefragt habe.

Bei den Ermittlungen zur "NSU 2.0"-Drohschreibenserie war unter anderem bekannt geworden, dass in Polizeistationen oft mehrere Beamte einen Computer nutzen - ohne den Account zu wechseln. Bei einer womöglich illegalen Abfrage ist es daher im Nachhinein kaum nachzuvollziehen, welcher Polizist tatsächlich am Computer saß.

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Unter anderem Linken-Politikerinnen hatten mit "NSU 2.0" unterzeichnete rechtsextreme Drohschreiben bekommen. Im Zusammenhang mit den Schreiben waren persönliche Daten von Polizeicomputern in Frankfurt und Wiesbaden abgerufen worden.

"Datenbanksysteme laufen üblicherweise in einem 24-Stunden-Betrieb, und verschiedene Nutzer können sich einloggen und parallel auf die Daten zugreifen", erläuterte Heuer. "In Journalen wird aufgezeichnet, wer was gemacht hat." Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum auf einer Polizeiwache ein Nutzerwechsel so lange dauere.

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei in Berlin berichtet, dass ein neues Login am Polizeicomputer teils sehr lange dauere. Darum würden Kollegen die Systeme manchmal nicht runterfahren, etwa wenn sie in die Pause gehen. Es gebe in einzelnen Ländern eine "steinzeitliche Technik", sagte Jendro.

dpa