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Politik Hitze und Kälte treffen Obdachlose: Winterhilfe startet
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17:12 24.10.2019
Eine obdachlose Person sitzt in einem Durchgang. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
Frankfurt/Main

Ob lange Hitze-Perioden, frostige Winternächte oder kurzfristige Temperaturschwankungen: Extremes Wetter setzt obdachlosen Menschen mehr zu als anderen. Sie verbringen viel Zeit im Freien, zudem sind sie wegen Erkrankungen oder Sucht-Problemen oft ohnehin schon geschwächt, wie der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert der Deutschen Presse-Agentur sagte. In Frankfurt und anderen hessischen Städten laufen trotz noch recht milder Oktober-Temperaturen bereits die Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit.

Frankfurt stellt zusammen mit Wohlfahrtsverbänden in diesem Winter zusätzlich zu 270 Betten in Notübernachtungsstätten bis zu 70 Schlafplätze in Tagestreffs zur Verfügung. "Keiner soll durch unser Netz fallen", sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) zum Auftakt der Winterhilfe-Aktion am Donnerstag. Bereits seit einigen Tagen versorgt der Kältebus des Vereins für soziale Heimstätten Bedürftige im Stadtgebiet wieder mit Decken und warmen Getränken. Menschen in Not können der Besatzung gemeldet werden.

Ab November ist erneut die B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor für Schutzsuchende geöffnet. Im vergangenen Jahr kamen dort bis zu 180 Menschen pro Nacht unter. Die Witterung sorgt auch hier nun für Änderungen: "Die Winter fangen später an, dauern aber länger", erklärte Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Daher sei die Einrichtung dieses Mal voraussichtlich bis Mitte Mai geöffnet. Erst dann kehrten die Temperaturen dauerhaft in den zweistelligen Bereich zurück.

Erstmals sollen in diesem Winter sogenannte Klientenausweise am Eschenheimer Tor eingeführt werden. "Wir wollen so genauere Erkenntnisse über die Hintergründe der Menschen und ihr Nutzerverhalten gewinnen", sagte Birkenfeld. Zur Frage, wie viele Menschen in Frankfurt oder gar hessenweit in Obdachlosigkeit leben, gibt es nur Schätzungen.

Mediziner Trabert weiß aus rund 25 Jahren Erfahrung, in denen er auf der Straße lebende Menschen medizinisch betreut, dass im Winter grippale Infekte, Lungenentzündungen oder gar erfrorene Zehen keine Seltenheit sind. "Da sehe ich eine Zunahme in den letzten Jahren", sagte der 63-Jährige. Im Sommer sei dagegen der Mangel an Wasser und Elektrolyten eine große Gefahr für Menschen ohne Obdach. Wohnungslose, die etwa ein Nickerchen in der Sonne halten, könnten dann schnell einem Hitzschlag oder einem Sonnenbrand ausgesetzt sein.

"Die Klimabedingungen verändern auch unsere Straßensozialarbeit", ergänzt der Leiter des Frankfurter Diakoniezentrums "Weser5", Jürgen Mühlfeld. Vor allem im Sommer gingen die Sozialarbeiter stärker auf die Menschen zu, fragten sie nach ihrem Gesundheitszustand und böten ihnen Wasser an. In den Wintermonaten suchten viele Obdachlose dagegen selbst gezielt die Einrichtungen auf, um Wärme und Ruhe zu finden.

Auch in anderen hessischen Städten laufen Vorbereitungen für entsprechende Winteraktionen: In Darmstadt sind die Teestube des Diakonischen Werkes und die Bahnhofsmission Anlaufstellen während der Winterzeit. Zudem wurde zuletzt das Angebot der Wohnungslosenhilfe weiterentwickelt, wie die Stadt mitteilte. Demnach gibt es etwa gesonderte Angebote für Frauen mit Kindern oder für Suchtabhängige.

In Kassel stellen die Drogenhilfe Nordhessen und der Verein Soziale Hilfe in der Winterzeit knapp 20 Notschlafplätze bereit. Laut der Stadt ist das Angebot seit Jahren konstant. Außerdem können Obdachlose seit Herbst 2018 in einer ganzjährig geöffneten Notschlafstelle mit zehn Plätzen sowie nach Bedarf in weiteren freien Notfall-Unterkünften unterkommen.

Die Arbeiterwohlfahrt in Giessen weitet in den Wintermonaten ihr Übernachtungsangebot aus. Laut der Stadt sind verschiedene Träger in der Stadt in der Wohnungslosenhilfe aktiv. Die Hilfseinrichtung "Oase" stellt Übernachtungsmöglichkeiten speziell für Frauen. Auch für Familien und Frauen mit Kindern sollen Angebote folgen - noch fehlt nach Angaben der Stadt dafür aber der Platz.

dpa

Nach Informationen hessischer Sicherheitsbehörden besteht derzeit bei drei Landesbediensteten der Verdacht, sie könnten der Reichsbürgerszene angehören. "Dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen sind aktuell drei Personen bekannt, die im Landesdienst tätig sind und bei denen tatsächliche Anhaltspunkte oder ein Verdacht über eine Zugehörigkeit zur Szene der "Reichsbürger und Selbstverwalter" vorliegen", teilte ein Sprecher des Innenministeriums in Wiesbaden am Donnerstag mit.

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Im vergangenen Jahr haben in Hessen 51 200 Menschen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhalten. Das sind rund 3800 weniger als im Vorjahr (minus 6,8 Prozent), wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte.

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