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Politik Kommunen weiten Corona-Impfangebote aus
Mehr Hessen Politik Kommunen weiten Corona-Impfangebote aus
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17:13 16.11.2021
Ein Mann steht an einem Covid-19-Impfcenter hinter der Bodenaufschrift "Impfen".
Ein Mann steht an einem Covid-19-Impfcenter hinter der Bodenaufschrift "Impfen". Quelle: Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden/Frankfurt/Kassel

Angesichts steigender Corona-Zahlen und wachsender Nachfrage stocken hessische Städte und Kreise ihre Impfkapazitäten auf. Das kündigten unter anderem die Stadt und der Kreis Kassel sowie die Städte Frankfurt und Wiesbaden an. Mehrere Kommunen verweisen darauf, dass solche Menschen Vorrang etwa bei den Auffrischungsimpfungen (Booster) haben, für die es eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Inzidenz) stieg in Hessen von 184,9 am Montag auf 188,4 am Dienstag. Binnen eines Tages infizierten sich 1416 Menschen nachweislich neu mit dem Coronavirus. Gegenwärtig sind nach Angaben des Sozialministeriums 66,7 Prozent der hessischen Bevölkerung vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpft (Stand: 14.11.2021).

In Wiesbaden sollen ab kommender Woche zentral an der DKD Helios Klinik Erst-, Zweit- und Drittimpfungen erhältlich sein. Die Stadt reagiere mit der neuen Anlaufstelle auf die steigende Zahl von Anfragen, teilte die Stadtverwaltung mit. Dritt- beziehungsweise Boosterimpfungen gebe es derzeit gemäß der Stiko-Empfehlung unter anderem nur für Patienten mit Immunschwäche sowie Menschen ab 70 Jahren - vorausgesetzt, der Abschluss der ersten Impfserie liegt mindestens sechs Monate zurück.

Außerdem könnten Menschen eine Booster-Spritze bekommen, die eine vollständige Serie mit Impfstoffen von Astrazeneca oder Johnson und Johnson erhalten haben - vorausgesetzt, der Abschluss der Impfserie liegt mindestens sechs Monate zurück. Das neue stationäre Angebot solle dazu beitragen, Impflücken zu schließen, erklärte Wiesbadens Gesundheitsdezernent Oliver Franz. Er rief niedergelassene Ärztinnen und Ärzte dazu auf, in ihren Praxen Corona-Schutzimpfungen anzubieten.

Der Landrat des Kreises Kassel, Andreas Siebert (SPD), kündigte an, vom kommenden Montag an solle das Impfzentrum in Calden wieder jeden Tag geöffnet werden. Bislang gab es nur an drei Nachmittagen pro Woche Impfungen. Auch die Stadt Kassel will weitere stationäre Impfeinrichtungen installieren, wie Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) erklärte.

Der Landkreis Limburg-Weilburg habe seine stationäre Impfstelle in Dietkirchen "weiter optimiert", teilte Landrat Michael Köberle (CDU) mit. "Wir hatten in Anbetracht der Zahlen mit rund 100 Impfungen pro Öffnungstag kalkuliert, als Ergänzung zu den Impfungen in Arztpraxen, inzwischen aber haben wir eine Frequenz von bis zu 350 Menschen täglich erreicht, die in unserer Impfstelle beziehungsweise mobil geimpft werden möchten." Künftig soll täglich rund doppelt so vielen Menschen wie bislang eine Impfung ermöglicht werden.

Auch die Stadt Frankfurt ist derzeit nach eigenen Angaben dabei, die Impfkapazitäten auszuweiten. Das Gesundheitsamt biete neben dem Angebot im Impfzentrum in der Messe bereits zahlreiche Sonderimpfaktionen im ganzen Stadtgebiet an.

In Hessen ist es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in zwei Dritteln der Hausarztpraxen möglich, sich impfen zu lassen. Das wäre nach den Worten eines KV-Sprechers eigentlich ausreichend - wenn nicht, wie im Moment, alle auf einmal kämen.

Auch der geschäftsführende Direktor des Hessischen Städtetages, Jürgen Dieter, warnte vor Engpässen in den Arztpraxen. Kommunen müssten daher mit Impfstützpunkten in die Bresche springen. Es sei allerdings notwendig, dass die Kosten für die Vakzine vom Bund übernommen werden, so wie dies bei den mittlerweile geschlossenen Impfzentren auch der Fall gewesen sei, sagte er. In den kommenden Tagen seien Gespräche mit der Landesregierung geplant.

"Wir erhoffen uns dabei einen Fingerzeig und eine Lösung für die Kommunen", sagte Dieter. Zwar sei klar, dass die Impfzentren in der bisherigen Form nicht wieder geöffnet werden sollen, gleichwohl gebe es auch die Möglichkeit, dass kleinere Impfstützpunkte für Entlastung sorgen. Allerdings könnten die Kommunen in der Regel die anfallenden Kosten nicht stemmen. Die SPD-Landtagsfraktion warf der Landesregierung vor, mit dem Schließen der landesweiten Impfzentren ein niedrigschwelliges Impfangebot für die Menschen abgeschafft zu haben.

© dpa-infocom, dpa:211116-99-17486/5

dpa