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Politik "Hessen schaut hin": 184 Vorfälle im ersten Jahr gemeldet
Mehr Hessen Politik "Hessen schaut hin": 184 Vorfälle im ersten Jahr gemeldet
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12:45 16.03.2021
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Frankfurt

Das geht aus dem am Dienstag vorgestellten ersten Jahresbericht der Online-Pressestelle hervor. Darunter waren körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen, psychische Gewalt und Mobbing und politisch motivierte Sachbeschädigungen, so die bei der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank angesiedelte Beratungsstelle Response für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Hinzu kämen der rechtsterroristische Anschlag in Hanau mit neun Toten, sowie weitere 118 anonym gemeldete Vorfälle.

"Wenn Menschen damit rechnen müssen, im Alltag jeder Zeit zum Ziel von gewalttätigen Angriffen werden zu können, erschüttert das ihr Sicherheitsgefühl ungemein, ganz besonders, wenn die Taten in ihrem persönlichen Wohnumfeld auftreten", sagte response-Leiterin Liisa Pärssinen. "Rechte und rassistische Gewalt fängt nicht erst bei Tötungsdelikten an - die in unserer Meldestatistik erfassten Fälle zeigen sehr deutlich das Spektrum der Gewalt auf, das von verbalen Attacken über Bedrohungen bis hin zu brutalen Angriffen auf Leib und Leben reicht."

Die Meldestelle vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer: "Das bildet nicht die reale Welt ab. Die Fälle stellen nur den Ausschnitt dar, den wir als Beratungsstelle mitbekommen", sagte der stellvertretende Response-Leiter Roman Jeltsch. "Wir gehen von einer wirklich hohen Zahl ungemeldeter Vorfälle aus."

Auch auf Landesebene sei ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus notwendig, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. "Der Bund hat nach dem Anschlag von Hanau relativ beherzt ein Maßnahmenpaket aufgesetzt, das Land Hessen hingegen kommt nur im Schneckentempo voran." Wichtig sei, dass nicht nur mehr Menschen hinschauen und Vorfälle melden, sondern auch Betroffene ihr bisheriges Schweigen brechen: "Die Menschen sollten nicht akzeptieren, dass Rassismus oder Antisemitismus zu ihrem Alltag gehört."

© dpa-infocom, dpa:210316-99-844213/2

dpa