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Politik Hessen bereitet sich auf Corona-Impfungen vor
Mehr Hessen Politik Hessen bereitet sich auf Corona-Impfungen vor
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16:23 07.12.2020
Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Corona-Impfzentrum im Rhein-Main-Congress-Centrum. Quelle: Boris Roessler/dpa/POOL/dpa
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Wiesbaden

Hessen wird nach der Einschätzung von Innenminister Peter Beuth (CDU) voraussichtlich in den kommenden zehn bis 14 Tagen mehr Klarheit darüber bekommen, wann erste Impfdosen gegen das Coronavirus kommen. Das erklärte er bei einem Besuch des Impfzentrums in Wiesbaden am Montag. Die Impfstoffe sollen dann an einem zentralen Ort geliefert werden, wo die Kühlung sichergestellt wird. Mit der Hilfe von Dienstleistern würden die Tagesdosen dann an die Impfzentren im ganzen Land verteilt, sagte der Minister.

Beuth besuchte am Montag gemeinsam mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) das neu eingerichtete Impfzentrum im RheinMain CongressCenter in der Landeshauptstadt. "In Hessen bereiten sich aktuell 28 Zentren auf die größte Impfaktion in der Geschichte des Landes vor", sagte Bouffier. Wenn der Impfstoff zugelassen sei, das Land die ersten Lieferungen habe, dann könne unmittelbar mit dem Impfen begonnen werden. Bouffier rechnet nach eigenen Worten damit, dass die Impfaktion dann rund neun bis zehn Monate dauert.

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Die hessischen Impfzentren entstehen unter anderem auch in Sporthallen, Hotels oder sogar auf einem alten Flugplatz. Als Frist für die Fertigstellung hatte das Land den 11. Dezember gesetzt. Bisher sei keine Verzögerung bei der Errichtung der Impfzentren bekannt, erklärte das Innenministerium. Verantwortlich für die Errichtung sind die Kreise und kreisfreien Städte - örtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) beraten und unterstützen.

"Die Kosten für Aufbau, Betrieb und Abwicklung der Impfzentren werden von Seiten des Landes getragen, wobei der Bund angekündigt hat, sich im Nachgang hälftig beteiligen zu wollen", heißt es aus dem Innenministerium. Den Impfstoff stelle der Bund kostenfrei bereit.

In der Messehalle in Wiesbaden werden - wie auch in anderen Zentren - sogenannte Impfstraßen eingerichtet. Das ist eine Reihe von Stationen, über die der Impfkandidat geleitet wird: die Erfassung der Daten, falls gewünscht ein Vorgespräch mit einem Arzt, der Impfvorgang und schließlich eine Ruhezone. Mit Trennwänden wurden die Bereiche und Impfstraßen abgetrennt, um eine Ansteckung zu verhindern.

Auch Kühlschränke zur Zwischenlagerung des Impfstoffs werden eingerichtet. Der Einbau einer Tiefkühlung ist nicht nötig, da die Medikamente zeitnah aus größeren Lagern gebracht würden.

60 bis 70 Prozent der Bevölkerung wollen nach Einschätzung des Landes immunisiert werden. Diese Anzahl sei notwendig, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, erklärte Sozialminister Klose. Sobald der Impfstoff da ist, werden die Bürger eingeladen. Zunächst sollen Menschen aus Risikogruppen und Gesundheitspersonal wie Ärzte und Pfleger geimpft werden. Hier wolle sich das Land nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts richten, sagte Klose. Es werde auch darauf ankommen, dass die Menschen Vertrauen in den Impfstoff hätten.

Zwei Impfungen sind pro Person nötig, das macht insgesamt acht Millionen Impfungen für Hessen. In den Zentren sollen jeweils mindestens 1000 Impfungen pro Tag durchgeführt werden können, sie sollen an sieben Tagen die Woche offen sein. Die Impfungen gegen das Coronavirus sind kostenlos und freiwillig.

Während das medizinische Material laut Kommunen bereits verfügbar ist, fehlt es noch an Personal. Allerdings meldeten sich bereits viele Freiwillige. "Die Bereitschaft zur Unterstützung ist groß", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Beim Gesundheitsamt Frankfurt hatten sich vergangene Woche bereits über 100 Freiwillige gemeldet. Wie viel Personal am Ende nötig sein wird, wissen aber viele Kreise und kreisfreie Städte noch nicht. "Wir gehen davon aus, dass unter Volllast rund 70 Mitarbeitende pro Schicht benötigt werden", sagte ein Sprecher in Darmstadt. Vor allem Personal mit medizinischer Ausbildung werde noch benötigt. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) sagte, er würde sich freuen, wenn sich noch mehr Freiwillige meldeten. In dem Impfzentrum würden pro Schicht rund 120 Mitarbeiter gebraucht.

dpa