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Politik Hessen ist Schlusslicht bei Versorgung mit Kinderärzten
Mehr Hessen Politik Hessen ist Schlusslicht bei Versorgung mit Kinderärzten
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17:22 28.04.2020
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Wiesbaden/Berlin

Hessen ist laut einer Auswertung von Daten aus dem Bundesarztregister bundesweites Schlusslicht bei der Versorgung mit Kinderärzten. Demnach gab es im vergangenen Jahr je 100 000 Einwohner nur 8,4 Kinderärzte. Dies ergab eine Auswertung der Deutsche Presse-Agentur von Daten aus dem Register mit Stand Ende 2019. Spitzenreiter bei der Versorgung mit Kinderärzten sind der Statistik zufolge die Stadtstaaten Bremen (14,3 pro 100 000 Einwohner) und Hamburg (11,7). Hessen ist somit nach dem vorletzten Platz 2018 noch hinter Brandenburg zurückgefallen.

Das Ergebnis der Statistik decke sich nicht damit, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen die Versorgung mit Kinderärzten im Land wahrnehme, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Zum Stichtag 1. März habe es 421,25 Versorgungsaufträge für die mehr als eine Million Kinder gegeben. Die Quote von einem Arzt für rechnerisch 2487 Kinder liege deutlich über der Bedarfsplanung, die einen Arzt für 2862 Kinder vorsehe.

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Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Daniela Sommer, erklärte dagegen: "Hessen hat ein massives Kinderarztproblem." Nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch in den Städten hätten Eltern teilweise Probleme, einen Arzt für ihr Kind zu finden. Nach den Worten der AfD-Abgeordneten Claudia Papst-Dippel sind viele Entscheidungen auf Bundesebene ursächlich für die angespannte Lage. Dazu zähle eine Herabsetzung der Grundpauschalen zum 1. April. Christiane Böhm von der Linksfraktion forderte von der Landesregierung neue Initiativen zur Stärkung der medizinischen Versorgung: "Wir dürfen nicht weiter zulassen, dass der Ärztemangel zulasten von Älteren und Kindern, insbesondere im ländlichen Raum, geht."

Die Arztdichte über alle Fachrichtungen hinweg hat sich in Hessen in den Jahren 2017 bis 2019 leicht verbessert: Praktizierten vor drei Jahren noch knapp 211 Ärzte und Psychotherapeuten je 100 000 Einwohner, waren es im vergangene Jahr mehr als 215. Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen damit im Mittelfeld.

Bei den Hausärzten ist die Versorgung im gleichen Zeitraum etwas schlechter geworden - die Arztdichte verringerte sich von 65,2 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2017 auf 64,6 im vergangenen Jahr, wie aus den Zahlen des Bundesarztregisters hervorgeht. Im bundesweiten Vergleich kommt Hessen auf den vorletzten Platz.

In Deutschland waren zum Stichtag 31. Dezember 2019 rund 149 700 Ärzte und 28 00 Psychotherapeuten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Patienten tätig. Das war insgesamt ein Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu Ende 2018. Weil Ärzte zusehends Teilzeit arbeiten oder Angestellte statt Praxisinhaber sein wollen, bedeutet dies laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) aber nur einen Zuwachs der Kapazitäten von 0,2 Prozent. KBV-Chef Andreas Gassen sagte der dpa: "Die Arztzeit ist und bleibt knapp."

Zur Gesundheitsversorgung in den jeweiligen Regionen tragen die Praxen der Kassenärzte nicht alleine bei - dazu kommen Ärzte in Krankenhäusern sowie etwa auch Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler. Zudem nutzen Patienten aus eher dünn besiedelten Umlandregionen oft Praxen in angrenzenden Ballungsräumen.

Beim Vergleich des Altersdurchschnitts aller Ärzte und Psychotherapeuten liegt Hessen mit 54,1 Jahren im bundesweiten Mittelfeld. In diesem Bereich sind die Ärzte und Psychotherapeuten in Bremen, zusammen mit denen in Berlin, mit im Schnitt 55 Jahren am ältesten. Am jüngsten ist das Durchschnittsalter in Sachsen (52,7 Jahre).

Bei einem Vergleich der Arztdichte in den Stadt- und Landkreisen deutschlandweit schafft es Kassel mit 313,8 pro 100 000 Einwohnern auf Platz neun - und damit unter die Top 10. Bei der Hausarztversorgung landet der Kreis Darmstadt-Dieburg dagegen auf der Flop-10-Liste: 53 Hausärzte pro 100 000 Einwohner sind der viertschlechteste Wert. Im Ranking der Kinderärzteversorgung liegt der Schwalm-Eder-Kreis mit nur 3,9 Ärzten pro 100 000 Einwohnern auf dem zehntschlechtesten Rang.

dpa

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