Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Hausärzte blicken mit Sorge auf die nächsten Monate
Mehr Hessen Politik Hausärzte blicken mit Sorge auf die nächsten Monate
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:02 24.11.2021
Anzeige
Wiesbaden

Der Hausärzteverband in Hessen schaut mit Sorge auf den Anfang des kommenden Jahres. "Die aktuelle Belastung ist bei Ärzten und Mitarbeitern so groß, dass sich das auf lange Sicht nicht durchhalten lässt", sagte Christian Sommerbrodt, Mitglied des Vorstands des Landesverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei absehbar, dass im Januar und Februar zahlreiche Menschen mit Corona oder mit der Grippe infiziert seien und medizinische Hilfe bräuchten. "Damit ist ein Kollaps des Systems vorprogrammiert", warnte er. Wenn Arztpraxen in einem solchen Fall nicht mehr ihre Patienten versorgen könnten, gerieten Kliniken zwangsweise noch stärker unter Druck.

Die aktuelle Situation sorge für Katerstimmung bei vielen hessischen Hausärzten. Gerade die hohe Nachfrage nach einer Booster-Impfung aber auch die erneute Debatte um Corona-Impfstoffe bringe Ärzte und ihre Mitarbeitenden an die Belastungsgrenze. Es seien viele zusätzliche Patientenfragen in den Praxen angekommen.

Der Andrang Impfwilliger sei ohnehin schon groß gewesen, sagte Sommerbrodt. Die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums, wonach jeder Erwachsene eine Auffrischungsimpfung in Anspruch nehmen könne, habe die Praxen zusätzlich in eine schwierige Situation gebracht. Das habe dazu geführt, dass sich viele Menschen gleichzeitig zur Impfung angemeldet hätten. "Wir Hausärzte waren zuvor davon ausgegangen, dass es - wie bereits in der Vergangenheit - eine Priorisierung der zu impfenden Menschen gibt", sagte der 50 Jahre alte Mediziner.

Nach der Empfehlung des Ministeriums seien viele Praxen innerhalb kurzer Zeit überlastet gewesen, ein geordnetes Verfahren sei kaum noch möglich gewesen, berichtete der Mediziner, der selbst eine Praxis in Wiesbaden hat. "Das hat Frust und Organisationschaos verursacht." Gemeinsam mit seinem Team impfe er wöchentlich zwischen 300 und 400 Menschen. Erst- und Zweitimpfungen machen nach seiner Beobachtung nur einen geringen Anteil aus. Die meisten Menschen kämen zum Boostern. Ähnliche Rückmeldungen gebe es aus anderen Praxen. "Insofern gehe ich aktuell nur von einer geringen Erhöhung der Impfquote aus", sagte Sommerbrodt. "Die, die sich bisher leider nicht impfen lassen wollten, bleiben scheinbar oftmals bei ihrer Haltung."

© dpa-infocom, dpa:211124-99-119074/2

dpa