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Politik Hanau erinnert mit "digitalem Denkmal" an Anschlag
Mehr Hessen Politik Hanau erinnert mit "digitalem Denkmal" an Anschlag
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14:45 17.02.2021
Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister von Hanau.
Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister von Hanau. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Hanau

Zum Gedenken an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags mit neun Toten vor einem Jahr hat die Stadt Hanau eine Internetseite als "digitales Denkmal" ins Leben gerufen. Die Seite mit der Adresse www.hanau-steht-zusammen.de gehe in der Nacht zu diesem Freitag (19. Februar) online und umfasse Nachrufe, Videos, Interviews mit Angehörigen der Opfer sowie ein Kondolenzbuch, das auf bewegende Weise zeige, dass die Tat Menschen auf der ganzen Welt erschüttert habe, teilte die Stadt am Mittwoch mit. "Es ist unser unverrückbarer Anspruch, die Opfer des 19. Februar 2020 niemals zu vergessen", erklärte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). "Das digitale Denkmal ist ein nachhaltiges, lebendiges Ausrufezeichen und gleichzeitig ein Aufruf, eine solche Tat nie wieder geschehen zu lassen."

Mit der Seite wolle man informieren und einen digitalen Ort schaffen, der immer offen sei und an den sich jeder jederzeit begeben könne, wenn er trauern möchte, Fragen habe oder Hilfe suche. Zugleich lade sie die Besucher ein, sich für Vielfalt und Toleranz zu engagieren.

Am 19. Februar vergangenen Jahres hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Am Jahrestag ist auch eine Gedenkveranstaltung geplant, an der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie Kaminsky teilnehmen werden.

Bouffier rief dazu auf, überall dort, wo Hass, Hetze und Rassismus drohten, die Gesellschaft zu spalten, "dem mutig entgegenzutreten und uns für Freiheit und für Mitmenschlichkeit einzusetzen". Der Täter von Hanau habe aus rassistischen Motiven unschuldigen Menschen das Leben geraubt, hat Familien und Freunden ihre Liebsten genommen. Der Schmerz über diesen Verlust werde niemals vergehen und die Angehörigen ein Leben lang begleiten. "Wir erinnern heute an Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu. Wir werden sie niemals vergessen. Ihre Namen sollen uns stets Mahnung dafür sein, dass wir entschieden gegen Rassismus, Hass und Hetze kämpfen müssen - und zwar immer, überall und unbeirrt", so Bouffier. "Dies ist Aufgabe des Staates, aber auch der gesamten Gesellschaft."

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, betonte die gemeinsame gesellschaftliche Herausforderung, Ausgrenzung und Menschenverachtung entgegenzutreten. Es sei noch immer "schockierend, mit welch abgrundtiefer Menschenverachtung die Tat verbunden war", erklärte Jung. Hanau habe zudem gezeigt, dass rassistisch motivierter Terror in der Mitte der Gesellschaft wachse. "Rassismus vergiftet Gesellschaften. In Hanau und überall auf der Welt." Am Freitag werde die Hanauer Marienkirche von 12.00 bis 20.00 Uhr für Friedensgebete öffnen. Zu jeder vollen Stunde solle es mit dem Glockengeläut ein Gebetsangebot geben.

© dpa-infocom, dpa:210217-99-478325/3

dpa