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Politik Hanau: Angehörige entfernen Gedenkstätte für Anschlagsopfer
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17:08 19.03.2021
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Hanau

Im Rahmen eines kurzen Gedenkens entfernten die Angehörigen der Toten am Freitag Bilder, Kerzen und Blumenschmuck vom Sockel des Denkmals. Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) nahm teil. Die Hinterbliebenen müssten keine Angst haben, dass das Attentat und seine Opfer mit dem Abräumen der Gedenkstätte aus dem Blick verschwinden könnten, sagte Kaminsky und versprach, dass die Opfer "auf alle Zeiten im kollektiven Gedächtnis der Hanauer Stadtgesellschaft verankert bleiben".

Am 19. Februar 2020 hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Das Brüder-Grimm-Denkmal, das sich nach der Tat zu einem zentralen Gedenkort in der Stadt entwickelt hatte, soll zu seinem 125-jährigen Bestehen in diesem Jahr saniert werden.

Wenige Tage nach dem Jahrestag, zu dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Hanau gekommen war, hatten die Angehörigen angekündigt, die Gedenkstätte zu räumen. Mit diesem Schritt wolle man gemeinsam ein Zeichen setzen, hatten die Familien in einem von der Stadt veröffentlichten Schreiben erklärt. "Dies ist sicher nicht leicht für uns, da es uns vor Augen führt, wie schnell die Zeit vergeht und wie groß der Schmerz und die Trauer über unseren Verlust weiterhin sind." Dennoch sei es der richtige Schritt. "Denn wir sind uns sicher: Hanau wird uns nicht vergessen!"

Derzeit erinnern in Hanau Gedenktafeln an den Tatorten in der Innenstadt und im Stadtteil Kesselstadt sowie auf dem Hanauer Hauptfriedhof an die Anschlagsopfer. Auch ein "digitales Denkmal" mit Nachrufen, Videos, Interviews mit Angehörigen der Opfer sowie einem Kondolenzbuch hatte die Stadt ins Leben gerufen. Außerdem ist ein Mahnmal geplant. Dafür hatte die Stadt einen Gestaltungswettbewerb gestartet, für den mehr als 100 Vorschläge aus dem In- und Ausland eingereicht worden waren.

© dpa-infocom, dpa:210319-99-892778/2

dpa