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08:52 23.10.2021
Markus Ebertz, Vorsitzender des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes Landesverband Hessen.
Markus Ebertz, Vorsitzender des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes Landesverband Hessen. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Münster

-Der hessische Gerichtsvollzieher-Bund fordert von der Landesregierung weitergehende Schritte im Kampf gegen Nachwuchsmangel. Mit einer längeren Ausbildung könne der Beruf besser für die Zukunft vorbereitet werden, sagte Landesvorsitzender Markus Ebertz der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu komme das steigende Problem von Beschimpfungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Schuldnern. Der Umgang damit müsse in größerem Umfang in die Ausbildung integriert werden. Die bisherigen 20 Monate für angehende Gerichtsvollzieher ebenso wie die geplanten 26 Monate für externe Bewerber griffen hier zu kurz.

In Hessen drohe ein Fachkräftemangel, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gingen. "Seit Jahren haben wir aus den eigenen Reihen der Justiz nicht mehr genügend Bewerber", sagte Ebertz. Die von der Landesregierung geplante Öffnung der Ausbildung für externe Bewerber reiche nicht aus. Ebertz schlug nach dem Vorbild Baden-Württembergs ein dreijähriges Fachhochschulstudium mit Bachelor-Abschluss vor. Dies würde die Zahl der Bewerber erhöhen.

Nach bereits erfolgten und anstehenden gesetzlichen Änderungen sei eine höher qualifizierte Ausbildung überfällig, sagte Ebertz. Weitere Aufgaben sollten auf Gerichtsvollzieher übertragen werden, wie etwa die Lohnpfändung. Dies sei effektiver, zudem werde der Beruf attraktiver und zukunftsfest.

Ebertz beklagte eine gestiegene Gewaltbereitschaft, mit denen sich die Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher konfrontiert sähen. Für sie seien nun Reizstoff-Sprühgeräte und Schutzwesten erlaubt, dazu gebe es Seminare zur Selbstverteidigung und Deeskalation. Am Landgericht Kassel werde ein Gerät getestet, das einen stillen Alarm aussenden könne. Das Vorhaben wird kommenden Mittwoch vorgestellt.

Im Sommer hatte das Justizministerium in Wiesbaden angekündigt, die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher ab Januar 2022 auch für Interessierte außerhalb der Justizberufe zu öffnen - etwa für Bewerberinnen und Bewerber mit Ausbildung und Berufserfahrung aus dem bankfachlichen oder dem kaufmännischen Bereich.

© dpa-infocom, dpa:211023-99-704443/2

dpa