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Politik Geldstrafe nach Waffenkauf bei Lübcke-Mörder Ernst
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18:22 11.05.2021
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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Eschwege

Wegen unerlaubten Waffen- und Munitionsbesitzes hat das Amtsgericht Eschwege einen 48-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Mann muss nach dem Urteil vom Dienstag 4500 Euro (90 Tagessätze à 50 Euro) zahlen. Er hatte eingeräumt, die Waffe von dem Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan Ernst, gekauft zu haben.

Der Angeklagte war ein Arbeitskollege des Rechtsextremisten Ernst gewesen. Seit 2016 soll er unerlaubt "einen funktionsfähigen schwarzen Revolver" und dazugehörige sowie andere Munition besessen haben. Die Ermittler waren ihm auf die Spur gekommen, nachdem Stephan Ernst in seinem ersten Geständnis im Juni 2019 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt auch über seine Tätigkeit als Waffenhändler ausgesagt hatte.

Damals erwähnte Ernst sowohl den Waffenverkauf an den nun verurteilten Mann als auch dessen mutmaßliche rechtsextremistische Gesinnung. Ernst gab an, der heute 48-Jährige habe ihn in seiner Ablehnung gegen das spätere Mordopfer Lübcke bestärkt. Der Anwalt des Mannes wies diese Behauptung "als üble Diffamierung" zurück und bestritt, dass sein Mandant eine rechtsextreme Gesinnung hat.

Einem weiteren Arbeitskollegen aus Fuldabrück im Kreis Kassel soll Ernst mehrere Waffen verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft Kassel erhob im September 2020 Anklage gegen diesen Mann wegen unerlaubten Erwerbs und Besitzes einer halbautomatischen Kurzwaffe in Tateinheit mit unerlaubtem Erwerb und Besitz verbotener Gegenstände sowie einer weiteren Schusswaffe und Munition. Außerdem steht der 50-Jährige unter Terrorismusverdacht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Ernst war Ende Januar dieses Jahres vom Oberlandesgericht Frankfurt wegen des Mordes an Lübcke zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil ist noch eine Revision anhängig. Lübcke war am 1. Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe umgebracht worden. Die Tat gilt als erster rechtsextremistischer Mord an einem Politiker in der Bundesrepublik. Lübcke hatte sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen.

© dpa-infocom, dpa:210510-99-544365/4

dpa