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Politik A49-Gegner nach Abseilaktionen in U-Haft: Weitere Rodungen
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19:42 27.10.2020
Ein Gegner des Ausbaus der A49 wird von einer Brücke abgeseilt. Quelle: Boris Roessler/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Nach den Abseilaktionen von Autobahnbrücken im Rhein-Main-Gebiet kommen vier Gegner des A49-Weiterbaus in Untersuchungshaft. Der Grund dafür sei Fluchtgefahr, sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagabend. Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft sollten am Dienstag insgesamt elf Aktivisten, die sich am Vortag den Ermittlungen zufolge von Brücken an den Autobahnen 3, 5 und 661 abgeseilt hätten, dem Haftrichter vorgeführt werden. Details zu den übrigen Aktivisten wurden am Abend zunächst nicht bekannt.

Die Personen hätten sich in etwa vier Metern Höhe abgeseilt "und dadurch absichtlich Vollsperrungen im Berufsverkehr" verursacht, teilte Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Gegen sie sei wegen dringenden Verdachts der Nötigung Haftbefehl beantragt worden. Die Staatsanwaltschaft sehe den Haftgrund der Fluchtgefahr, "da die Beschuldigten die Feststellung ihrer Identität vereiteln".

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Bei den Abseilaktionen, die für teils heftige Kritik aus Politik und Wirtschaft sorgten, hatte die Polizei nach eigenen Angaben insgesamt 30 Aktivisten vorläufig in Gewahrsam genommen. Darunter waren demnach zwölf Personen, die sich an den drei Brücken abgeseilt hatten sowie 18 weitere, die die Aktionen unterstützten. Zunächst hieß es, dass sich nach einer vorläufigen Bewertung der Staatsanwaltschaften Frankfurt und Wiesbaden 19 dieser Personen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung verantworten müssen. Von dem ersten Vorwurf war am Dienstag nicht mehr die Rede.

Die A49 soll nach dem Lückenschluss Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Für den Weiterbau der Trasse laufen derzeit Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf). Im Dannenröder Forst nahe Homberg/Ohm (Vogelsbergkreis) stehen ebenfalls Fällarbeiten an, auch im Maulbacher Wald bei Homberg/Ohm gab es Baumfällungen. Nach Angaben der Projektgesellschaft Deges ist mittlerweile eine Fläche von schätzungsweise insgesamt 36 Hektar im Herrenwald und im Maulbacher Wald gerodet.

Um die Abholzungen zu verhindern und zu verzögern, hatten sich Aktivisten in Baumhäusern eingerichtet und immer wieder Barrikaden errichtet. Bereits zuvor hatte es Abseilaktionen an Autobahnbrücken gegeben. Bei einer ähnlichen Blockade an der A3 war es Mitte Oktober im Rückstau bei Idstein zu einem Unfall gekommen, bei der eine Person schwer verletzt wurde. Ein Auto war am Stauende auf einen Lastwagen aufgefahren.

Derweil liefen die Rodungsarbeiten im Herrenwald nach Angaben der Polizei am Dienstag weitgehend störungsfrei, zu weiteren Protestaktionen sei es nicht gekommen. Am Morgen hatte die Polizei Mittelhessen auf Twitter bekanntgegeben, dass im Herrenwald ein verstecktes Materialdepot entdeckt worden sei, das unter anderem Eisennägel, Bolzenschneider, Hämmer, Sägen und Seile beinhalte. "Die Eigentümer dürfen sich gerne bei uns melden", hieß es in dem Tweet.

Die A49-Gegner halten das Autobahnprojekt für verfehlt, da es der Verkehrswende entgegenstehe. Befürworter versprechen sich dagegen von dem Lückenschluss weniger Verkehrsbelastung und Lärm sowie ein geringeres Unfallrisiko in den Dörfern der Region, kürzere Wege für Pendler sowie eine bessere Anbindung an das Straßennetz.

dpa