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Politik GEW stellt Probleme bei Online-Semester fest
Mehr Hessen Politik GEW stellt Probleme bei Online-Semester fest
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17:42 27.04.2020
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Frankfurt/Main

Die Bilanz der ersten Woche des Online-Semesters in Hessen fällt bei Studierenden, Hochschulen, Gewerkschaft und der Politik gemischt aus. "Manchmal ist einiges noch chaotisch. Wir rechnen aber damit, dass es in den nächsten Wochen besser wird", sagte Sophie Eltzner, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Kassel am Montag. "Die aufgezeichneten Vorlesungen finden viele fantastisch, weil sie dadurch ihren Tagesrhythmus besser selbst bestimmen können."

Die durch die Einschränkungen der Corona-Krise nun zwangsläufig genutzten digitalen Lehrformate könnten wegweisend für die Zukunft werden. "Es bringt die Digitalisierung an den Hochschulen voran. Das kann man nun in der Krise positiv sehen", meinte Eltzner. Allerdings funktioniere es nicht in jedem Studienfach gut, wie zum Beispiel in dem für Sport oder Biologie, wo auch Praktika erforderlich seien: "Da kann es keine Dauerlösung sein."

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Till Jürgens, Öffentlichkeitsreferent des AStA der TU Darmstadt, sieht den digitalen Unterricht noch "in der Findungsphase". Wie gut es funktioniert, hänge vom Lehrformat ab. "Bei Vorlesungen funktioniert es gut, bei den Seminaren ist es mit der digitalen Interaktion schwierig", sagte Jürgens. In der aktuellen Situation sei das Online-Semester aber "das Beste, was man zurzeit machen" könne. Diese Corona bedingten Beschränkungen dürften sich aber nicht auf die Regelstudienzeit auswirken. "Das Semester muss als Nicht-Semester gewertet werden", betonte er.

Der Goethe-Universität Frankfurt lägen "kaum kritische Anmerkungen zur ersten Woche Digitalstudium seitens der Studierenden und Lehrenden vor", teilte die Hochschule mit. "Im Gegenteil: Viele spiegeln uns, wie positiv überrascht sie seien, dass "es" so gut funktioniere." Wo es tatsächlich noch ein wenig ruckeln würde, werde die digitale Infrastruktur (Software, Hardware) seitens des Hochschulrechenzentrums fortwährend verbessert.

Schließlich ist laut Goethe-Uni die Nutzungsfrequenz in die Höhe geschnellt: Der Streaming-Server verzeichnet normalerweise im gesamten Monat rund 36 000 Zugriffe. Am 20. April seien es binnen eines Tages 46 000 Views und in der gesamten Woche 182 000 gewesen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat laut einer Mitteilung in der ersten Woche des Online-Semesters an allen hessischen Hochschulen Probleme festgestellt. Dies gelte insbesondere im Bereich der Arbeitszeit und von Videokonferenzen, hieß es. "Viele Beschäftigte klagen über die enorm gestiegene Arbeitszeit zur Vorbereitung digitaler Lehre", sagte Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW Hessen.

Besonders Eltern mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter kämen an ihre Belastungsgrenze, wenn sie Lehre, Forschung und Kinderbetreuung vereinbaren müssten. "Vor allem für diese Gruppe muss es unbedingt zeitnah eine Lösung geben", forderte Wiedwald von der Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne).

dpa

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