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Politik Friseure dürfen in Hessen wieder arbeiten
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13:12 01.03.2021
Eine Frau lässt sich in einem Friseursalon ihre Haare schneiden.
Eine Frau lässt sich in einem Friseursalon ihre Haare schneiden. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Wiesbaden/Seeheim-Jugenheim

Die Profis dürfen wieder Hand anlegen: Nach zweieinhalb Monaten verordneter Schließung in der Corona-Pandemie dürfen Hessens Friseure seit Montag wieder ihre Salons öffnen. Schneiden, föhnen, legen und färben: Das finanziell arg gebeutelte Handwerk kann unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln wieder arbeiten. "Die sind glücklich, dass sie wieder aufmachen dürfen", sagte der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Friseurhandwerks in Hessen, René Hain, der Deutschen Presse-Agentur. Der Umsatz sei in dem seit Mitte Dezember geltenden Lockdown komplett weggebrochen. Die Menschen mussten von Rücklagen leben. Von den bundesweit rund 80 000 Salons sind dem Verband zufolge etwa 6000 in Hessen, mit rund 17 000 Beschäftigten.

"Da sind ordentlich Haare gefallen", sagte Friseur Konstantin Schick, der mit seinem Team in Seeheim-Jugenheim in den ersten Stunden knapp drei Dutzend Kunden bediente. Natürlich gebe es auch Enttäuschte, weil sie keinen Termin mehr bekommen haben. "Das Telefon klingelt ununterbrochen", sagte Schick. Bei ihm sei bis Ende März, Anfang April alles ausgebucht. Er habe jetzt eine Warteliste angelegt, falls ein Termin frei wird.

Schick hat kein Verständnis für die wochenlange verordnete Schließung, die für viele Betriebe existenzbedrohend sei. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Infektionsgefahr in den Salons gering ist. Noch im Oktober hatte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt, dass man Friseure nicht wieder würde schließen müssen. Doch mit dem zweiten Lockdown kam es anders für das Handwerk.

Schick zog während des Lockdowns wegen der Schließung wie einige wenige seiner Kollegen in Deutschland vor Gericht und wollte mit einem Eilantrag die Öffnung seines Salons erzwingen. Doch dies blieb ohne Erfolg. Die angegriffene Regelung sei weder rechtswidrig, noch sei eine Außervollzugsetzung geboten, teilte der Hessische Verwaltungsgerichtshof Anfang Februar mit.

Auch Hain bestätigte die große Kundennachfrage. "Wer versucht im März einen Termin zu bekommen, das ist ganz schwer." Es sei denn, jemand sagt ab. Der zweite Lockdown in der Corona-Pandemie belastete viele der Friseurbetriebe finanziell bis an die Grenzen. 10 bis 20 Prozent der Unternehmen hätten angegeben, ohne Hilfen insolvent zu gehen, sagte Hain.

Für die Salons gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln wegen der Gefahr einer Corona-Infektion. So muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern um jeden Arbeitsplatz eingehalten werden. Sind mehrere Menschen in einem Raum so darf eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person nicht unterschritten werden. Es gibt die Pflicht einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn dies möglich ist. Der Arbeitsbereich, Sanitär- und Pausenräume müssen ausreichend belüftet werden. Und die Mitarbeiter sollen den Kunden immer möglichst zuerst die Haare waschen und hierbei Handschuhe tragen.

In Hessen wurden mit der Öffnung der Friseursalons die strengen Corona-Regeln etwas gelockert. Eine Woche zuvor ließ die Landesregierung bereits für die Schüler der Klassen eins bis sechs eine Rückkehr in die Klassenzimmer im Wechselunterricht zu. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte mit einem Vier-Stufen-Plan weitere Öffnungsschritte für die hessische Bevölkerung in Aussicht.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-638491/3

dpa