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16:04 11.03.2022
Betten stehen in der Notunterkunft für Ukraine-Flüchtlinge in einer Halle der Messe bereit.
Betten stehen in der Notunterkunft für Ukraine-Flüchtlinge in einer Halle der Messe bereit. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Frankfurt/Main/Fritzlar

Die Stadt Frankfurt hat in einer Messehalle ein Erstaufnahmezentrum für Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet. Seit Freitagnachmittag können dort Schutzsuchende aufgenommen werden. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge steige täglich weiter, sagte Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) am Freitag. "Es geht darum, möglichst viele Menschen an einem sicheren Ort unterzubringen." Derzeit seien mehr als 1000 Menschen von der Stadt untergebracht worden, die Situation sei sehr dynamisch.

Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Feuerwehr, des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und der Messe hatten in den vergangenen Tagen in einer der Frankfurter Messehallen Module aufgebaut. Darin stehen nun Feldbetten, meist sechs in einem Raum. Hier sollen die Geflüchteten voraussichtlich nur wenige Nächte untergebracht werden. Mit der kurzen Entfernung zum Frankfurter Hauptbahnhof, an dem derzeit die Mehrheit der Flüchtlinge ankomme, sei das Erstaufnahmezentrum auch gut erreichbar, hieß es.

Vor der Unterbringung werden Corona-Tests durchgeführt. Positiv getestete Flüchtlinge werden in Quarantäne untergebracht. Im Erstaufnahmezentrum gibt es einen eigenen Bereich zur Kinderbetreuung, an dem die Kinder spielen und auf andere Gedanken kommen können. "Im Moment sind halbe Kindergartenausstattungen auf dem Weg hierher", sagte Thomas Müller-Witte, Geschäftsführer des ASB Frankfurt. Mehr als die Hälfte der bisher in Frankfurt angekommenen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche.

Nicht nur der Anteil der vielen Minderjährigen unterscheidet die derzeitige Situation von der Ankunft syrischer Flüchtlinge 2015. Damals sei den Menschen bei der Ankunft in den eilig errichteten Notunterkünfte die Erleichterung anzumerken gewesen, dass sie "angekommen" seien, sagte Voitl. "Wir erleben Menschen, die sehr erschöpft sind, verzweifelt und in großer Sorge um die Menschen, die sie zurückgelassen haben." In den Erstaufnahmeeinrichtungen sei deutlich mehr Unruhe zu spüren, sagte der Frankfurter DRK-Geschäftsführer Dirk Dallwitz. "Man merkt, die Menschen wollen so schnell wie möglich zurück."

Hilfe des Landes ist auch unterwegs in die Ukraine: Am Freitag startete im nordhessischen Fritzlar ein Hilfskonvoi des Landes. Die Lieferung umfasst nach Angaben des hessischen Innenministeriums 150 Paletten mit Hilfsgütern wie Feldbetten und Schlafsäcken. Den Transport nach Polen übernimmt das Deutsche Rote Kreuz im Auftrag des Landes - die Hilfsorganisation hat dafür drei Lkw-Züge zur Verfügung gestellt. Von Polen aus werden die Güter in die Ukraine weitergeleitet.

"Die Hessische Landesregierung wird alles tun, um Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bestmöglich zu unterstützen", sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) laut Mitteilung beim Start des Konvois in Fritzlar. Dazu zähle nicht nur die Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten in Hessen, sondern eben auch die Hilfeleistung für Flüchtlinge innerhalb der Ukraine.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Hessen den Angaben zufolge an einer Hilfslieferung des Bundes beteiligt und dafür 50.000 OP-Masken, 10.000 Schutzanzüge und 10.000 Infektionsschutzhandschuhe bereitgestellt.

Angesichts der Herausforderungen, eine wachsende Zahl von Flüchtlingen unterzubringen, hat die Kommunale Ausländervertretung (KAV) die Stadt aufgefordert, sicherzustellen, dass Menschen, die in früheren Krisen nach Frankfurt gelangt sind, nun nicht benachteiligt werden. Kein Mensch solle das Gefühl haben, in einer Notsituation nicht gleich willkommen zu sein oder ungleiche Hilfe zu erhalten, hieß es in einer Stellungnahme.

© dpa-infocom, dpa:220311-99-480184/3

dpa