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Politik Hessen arbeitet an einem neuen Corona-Schulkonzept
Mehr Hessen Politik Hessen arbeitet an einem neuen Corona-Schulkonzept
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16:52 09.06.2020
Manuel Lösel steht in einem Klassenzimmer. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Wie können Hessens Schulen nach den Sommerferien angesichts der Corona-Pandemie zu einem weitgehenden Regelbetrieb mit Unterricht in den Klassen zurückkehren? Darüber berät seit Dienstag ein Expertengremium, die "Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021". "Unser Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, damit möglichst alle Schülerinnen und Schüler zügig wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen können", erklärte Kultusstaatssekretär Manuel Lösel in Wiesbaden.

Kultusminister Alexander Lorz will einen Regelbetrieb an Schulen bereits in den zwei Wochen vor den Sommerferien "ernsthaft prüfen". "Ich finde diese Idee sehr spannend und denke aktuell darüber nach", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Hintergrund sind Vorschläge von Medizinern, die zwei Wochen vor den Ferien als Testphase zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und die Ferien als Sicherheitspuffer zu nutzen. Wenn renommierte Mediziner dies für möglich halten, "dann sollten wir das ernsthaft prüfen", sagte Lorz der Zeitung.

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"Allerdings möchte ich betonen, dass auch der erhoffte Regelbetrieb nach den Sommerferien nicht der gleiche sein wird wie vor Corona." Wahrscheinlich werde zumindest das erste Schulhalbjahr noch von gewissen Einschränkungen geprägt sein, selbst wenn Abstandsregeln aufgegeben und die Gruppengrößen wieder auf den regulären Stand gebracht würden, erläuterte Lorz.

In der "Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021" sitzen unter anderem 15 Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Vertreter der Lehrer, Schüler und Eltern. Es sind laut Ministerium alle Schulformen aus allen Regionen vertreten. "Von unseren Praktikern aus den Schulen zu erfahren, wo der Schuh drückt, ist schon in normalen Zeiten wichtig. In der jetzigen Situation sind ihre Erfahrungen Gold wert", erklärte Lösel. Er zeigte sich zuversichtlich, dass vor Beginn der Sommerferien ein Konzept vorliegt.

Der Verband Bildung und Erziehung Hessen spricht sich unterdessen gegen eine vollständige Öffnung der Grundschulen in der Corona-Krise aus. Solche Pläne der Landesregierung seien organisatorisch kaum umsetzbar und medizinisch fragwürdig, sagte der VEB-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann. "Es ist angesichts der beschränktem Raumkapazitäten und des Personalmangels nicht vorstellbar, wie die Schulen mehr Präsenzunterricht für alle Kinder bewerkstelligen können."

"Bei allem Verständnis für die Nöte vieler Familien - dieser erneute Kurswechsel wäre eine Zumutung für die Lehrkräfte und Schulleitungen", kritisierte Wesselmann. Die Schulen sollten offenbar "ein Experimentierlabor für die Ansteckungsrisiken des Coronavirus unter Kindern" werden. Dabei fühle sich bereits jetzt jede dritte Lehrkraft nicht ausreichend vor Ansteckung geschützt.

Der hessische Philologenverband sprach sich "entschieden" gegen eine Öffnung der Schulen noch vor den Sommerferien aus. Wenn Infektionsforscher Erfahrungen mit dem Regelbetrieb sammeln wollten, geschehe dies einzig zu Lasten von Lehrkräften und Schülern. Diese würden als "Versuchskaninchen" einer "unnötigen Gesundheitsgefahr" ausgesetzt. Der Vorsitzende des Verbandes, Reinhard Schwab, forderte, den derzeitigen "Krisenmodus" beizubehalten. Eine Öffnung der Schulen im Regelbetrieb könne für nach den Sommerferien geplant werden, "wenn die Infektionszahlen es zulassen".

Auch die Lehrergewerkschaft GEW Hessen äußerte Unverständnis für eine Öffnung vor den großen Ferien. "Was will man damit bezwecken? Ich halte das für einen Feldversuch am lebenden Objekt", sagte die Landesvorsitzende Birgit Koch. Eine zu schnelle Öffnung im Regelbetrieb sei "verantwortungslos".

dpa

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