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Politik A49-Gegner kündigen weiteren Widerstand an
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22:32 17.11.2020
Polizisten nehmen eine Aktivistin während der Rodung am Dannenröder Forst fest.
Polizisten nehmen eine Aktivistin während der Rodung am Dannenröder Forst fest. Quelle: Helmut Fricke/dpa/Archivbild
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Homberg/Ohm

Im Dannenröder Wald fallen trotz heftiger Proteste von Umwelt- und Klimaschützern die Bäume für den Lückenschluss der Autobahn 49. Sowohl im nördlichen als auch südlichen Teil der Waldstücks bei Homberg/Ohm in Mittelhessen hat die Projektgesellschaft Deges seit Beginn der Arbeiten vor einer Woche Bäume für das Verkehrsprojekt fällen lassen. Man gehe davon aus, den Zeitplan einhalten zu können, sagte ein Deges-Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Ziel, die Baumfällarbeiten für die Trasse bis zum Ende der Fällperiode am 28. Februar 2021 abzuschließen, sei "aus unserer Sicht nicht in Gefahr". Die Aktivisten kündigten derweil weiteren Widerstand an.

Zwei Tage nach dem Absturz einer Aktivistin im Dannenröder Forst zeigte sich der Deges-Sprecher zugleich besorgt über die Entwicklung des Konflikts. "Was wir in den letzten Tagen mit Sorge sehen, ist, dass sich Menschen in Gefahr begeben. Das tun sie offensichtlich bewusst." Am Sonntagmorgen war eine 20-jährige Gegnerin des Verkehrsprojekts von einem Tripod - einem als Blockade genutzten, hochbeinigen Gestell - gestürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen.

Verantwortlich dafür soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen ein Polizist sein, der zuvor ein Seil durchtrennt habe, das mit dem Tripod verknüpft gewesen sei. Die Verbindung soll für den Beamten nicht erkennbar gewesen sein. Gegen ihn wird nun wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt ermittelt, hatte die Staatsanwaltschaft erklärt. Den Ermittlern zufolge gibt es bislang keine Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln.

Nach dem Vorfall hatten Aktivisten den Polizeieinsatz scharf kritisiert und ihre Forderung nach einem Räumungs- und Rodungsstopp erneuert. Dagegen bekräftigte eine Polizeisprecherin, den Einsatzkräften sei wichtig, "dass im Wald Sicherheit vor Geschwindigkeit geht." Es würden keine Seile gekappt, "die erkennbar mit Gebilden verbunden sind, auf denen sich offensichtlich Menschen befinden", hatten die Beamten auf Twitter geschrieben.

Dennoch warfen Aktivisten den Beamten am Dienstag vor, "mit aller Härte und ohne Pause von beiden Seiten der geplanten Trasse Tatsachen zu schaffen". "Dieser Protest ist längst über den Dannenröder Wald hinausgewachsen", erklärte "Frida Blume" vom Bündnis "Wald statt Asphalt". "Wir sind eine bunte, aber entschlossene Bewegung und uns ist klar: Hier geht es um mehr, hier geht es um eine soziale und gerechte Mobilitätswende und letztendlich um Klimagerechtigkeit, vielleicht geht es hier sogar um alles." Man werde auf jeden Fall keine Ruhe geben. "Unsere Proteste werden nicht mit der Rodung aufhören."

Harald Zwick, Landesvorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei in Hessen (GdP), sprach auch mit Blick auf den Dannenröder Forst von einer enormen Belastung für die Beamten. Lange Einsatzzeiten seien keine Einzelfälle. "Wir waren ja schon überlastet ohne Corona, ohne A49 und ohne Castor." Wie lange sich der Einsatz im Dannenröder Wald noch hinziehen wird, hänge auch von der Zahl der zur Verfügung stehenden Beamten - auch aus anderen Bundesländern - ab. "Fest steht: Je weniger Kräfte wir zur Verfügung haben, um da zu räumen und anschließend zu roden, umso länger dauert das." Er hoffe aber, "dass das Ganze deutlich vor Weihnachten beendet ist".

Der Deges-Sprecher erklärte zu den Arbeiten am Dienstag: "Auch für uns gilt Sicherheit als oberstes Gebot. Wir sensibilisieren unsere Auftragnehmer auch im Lichte dieses Vorfalls, sehr umsichtig zu agieren." Grundsätzlich habe man sich in dem Waldstück auf erheblichen Widerstand eingestellt.

Der achte Einsatztag im Dannenröder Forst verlief derweil überwiegend friedlich, wie die Polizei am Dienstagabend mitteilte. Beamte hätten "Gefahrenstellen" wie verbotene Bauten oder Barrikaden entfernt und dabei Verstecke gefunden, in denen gefährliche Gegenstände wie sogenannte Krähenfüße und Vorrichtungen zum Anketten von Personen gelagert worden seien. Am Abend hätten mehrere Vermummte im Bereich der Bundesstraße 62 Steine auf ein vorbeifahrendes Einsatzfahrzeug geworfen - glücklicherweise sei niemand verletzt worden. Insgesamt wurden laut Polizei am Dienstag 65 Personen in Gewahrsam genommen, ebenso viele Platzverweise ausgesprochen und 71 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Um Fragen, etwa zu Straßensperrungen oder anderen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Verkehrsprojekt zu beantworten, hat die Polizei ein Bürgertelefon geschaltet.

Unterdessen riefen die hessischen Grünen zu Gewaltfreiheit und Besonnenheit in dem Konflikt um das Verkehrsprojekt auf. Mit großer Sorge betrachte man die Zuspitzung der Situation im Dannenröder Forst, erklärten die Grünen-Landtagsabgeordnete Katy Walther sowie die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bettina Hoffmann. "Oberstes Ziel muss es sein, dass kein Mensch im Rahmen der Protestaktionen, Räumungen und Rodungen zu Schaden kommt."

Im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis werden Bäume für den Weiterbau der A49 gerodet, dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer, die den Wald seit mehr als einem Jahr besetzt halten. Die Autobahn soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden.

dpa