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Politik Einstieg in Wechselunterricht für höhere Jahrgänge gekippt
Mehr Hessen Politik Einstieg in Wechselunterricht für höhere Jahrgänge gekippt
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19:12 18.03.2021
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident des Landes Hessen, spricht.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident des Landes Hessen, spricht. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Wiesbaden

Angesichts gestiegener Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen hat Hessen geplante Lockerungen an den Schulen gekippt. Die Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 sollen nicht - wie zunächst angedacht - ab 22. März für mindestens einen Präsenztag pro Woche in die Schule kommen, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Das Corona-Kabinett habe beschlossen, "dass wir diesen Einstieg in den Wechselunterricht und auch den entsprechenden Präsenztag nicht vornehmen". Dieser Schritt sei bereits angekündigt worden, sollten die Infektionszahlen zu hoch sein.

Die weiterführenden Klassen an den Schulen blieben nun zunächst weiter im Distanzunterricht, sagte der Regierungschef. Hessen halte grundsätzlich an seinen Planungen für die Schulen fest. "Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab dem 19. April landesweit die Jahrgangsstufen 1 bis 4 an fünf Tagen in der Woche und die Jahrgangsstufen ab Klasse 5 im Wechselmodell unterrichtet werden", sagte Bouffier.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in Hessen binnen sieben Tagen hat am Donnerstag die Marke von 100 erreicht. Das geht aus Zahlen des Berliner Robert Koch-Instituts hervor. Das hessische Sozialministerium nannte am Nachmittag eine landesweite Inzidenz von 100,2. Demnach wiesen elf Kreise und Städte eine Inzidenz von über 100 auf.

Bouffier kündigte an, dass noch vor Ostern an 20 Schulen Selbsttests ausprobiert werden sollen, damit das Land nach den Osterferien in eine regelmäßige Testung an den Schulen einsteigen könne. Kostenlose Selbsttests stünden auch für Kita-Personal bereit.

"Die Zahlen zeigen uns: Eine mögliche dritte Corona-Welle ist deutlich unterwegs", sagte Bouffier. Es werde vorerst keine weiteren Öffnungsschritte geben. Er verwies auf das geplante Gespräch der Regierungschefs von Bund und Ländern am kommenden Montag. Dort gehe es um die Fragen: Wie geht es weiter? Was passiert an Ostern? Bouffier plädierte erneut dafür, dass die Bundesländer bei ihren Corona-Regeln eng beieinander bleiben.

Beim Thema Impfen hänge nach wie vor viel von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab, betonte er. Das Land habe "ein überragendes Interesse", sobald es irgend möglich sei, niedergelassene Ärzte und die Betriebsärzte beim Impfen mit einzubeziehen. Allerdings seien derzeit alle Impfdosen, deren Lieferung zugesagt sei, bereits verplant. Bis Ende April hätten Bürger dafür Termine bekommen. Wenn nun Ärzte breiter ins Impfen einbezogen würden, dann müssten Termine abgesagt werden, Menschen würden "brutal" enttäuscht, sagte Bouffier. "Ich will das nicht."

Er hoffe darauf, dass es bald wieder grünes Licht gebe für den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca, sagte der Ministerpräsident. Das Land sei dann zügig in der Lage, diesen Impfstoff wieder zu spritzen. Er sehe es als Aufgabe als Ministerpräsident, für die Impfung zu werben. "Wenn ich mal dran komme und mir irgendeiner Astrazeneca sagt, das kriegst du jetzt. Das würde ich sofort nehmen."

Beim Thema Reisen habe er Verständnis dafür, dass die Menschen nicht mehr verstünden, warum sie nach Mallorca fliegen dürfen, es aber nicht möglich sei, in der Rhön eine Ferienwohnung zu mieten - "das müssen wir lösen", sagte Bouffier.

"Wir haben eine höchstdynamische Lage, wir haben eine ganze Menge von Unsicherheiten und Ungewissheiten", erklärte der Ministerpräsident und appellierte an die Menschen, gemeinsam einen kühlen Kopf zu bewahren. Man dürfe nun nicht durch Unvorsichtigkeit in eine Situation kommen, in der der Ausnahmezustand immer länger dauere.

Hessens Wirtschaft begrüßte, dass es vorerst keine Verschärfung der bisherigen Regelungen für Unternehmen gibt. "Click and Meet" und Terminvereinbarungen blieben weiterhin möglich. "Das ist ein gutes Signal und eine kluge Abwägung", erklärte der Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, Robert Lippmann. "Denn die Nachverfolgbarkeit ist gegeben und das Infektionsrisiko dabei gering."

© dpa-infocom, dpa:210318-99-878935/3

dpa