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Politik Awo erhält befristet wieder Zuschüsse von Bildungsdezernat
Mehr Hessen Politik Awo erhält befristet wieder Zuschüsse von Bildungsdezernat
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17:32 07.09.2020
Ein verblasstes Stopschild steht vor der AWO-Zentrale in Frankfurt. Quelle: Boris Roessler/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe gegen damalige Verantwortliche der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) hatten Sozial- und Bildungsdezernat im vergangenen Jahr Gelder an die Awo gekürzt. Am Montag kündigte die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) an, diese Kürzung der Verwaltungskostenpauschalen befristet bis Ende des Jahres wieder zurückzunehmen. Grund seien "massive Liquiditätsengpässe", die die neue Awo Führung geltend gemacht habe. Eine drohende Schließung der Awo-Kindertagesstätten müsse unbedingt verhindert werden, betonte Weber.

Sie stehe auch weiterhin zu der Kürzung der Zuschüsse an die Awo um zehn Prozent in einer Zeit, wo der alte Awo Vorstand noch im Amt war und die Stadt um ihre Zuschüsse habe fürchten müssen. Die neue Führungsmannschaft der Awo versuche aufzuklären und Transparenz zu schaffen, sagte Weber über die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand. Mittlerweile sei rund eine Million Euro einbehalten worden. Auch wenn noch nicht feststehe, wie hoch die Forderungen der Stadt an die Awo ausfallen, sei es wahrscheinlich, dass mit dieser Summe ausgekommen werde.

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Mit ihr werde es keine durch die Stadt herbeigeführte Insolvenz der Awo geben, sagte Weber. "Wir reden schließlich über rund 1200 Kinder in 19 Kitas und 321 Arbeitsplätze. Gerade in Corona-Zeiten, gelte es, Schaden von den betroffenen Familien abzuwenden. "Für mich hat die Sicherung der Kita-Plätze oberste Priorität." Ein Schlussstrich sei das nicht: "Wir wollen genau wissen, ob und wenn ja wie viel Geld der Frankfurter Steuerzahler veruntreut wurde", versicherte Weber.

Das Sozialdezernat hingegen hält weiterhin an der Kürzung der Verwaltungskostenpauschale fest. Hier handele es sich um wesentlich geringere Summen als im Bildungsdezernat, sagte ein Sprecher. Der Prüfbericht zur Awo sei vor zwei Wochen eingegangen. "Wir sehen noch Klärungsbedarf"

Awo-Finanzvorstand Axel Dornis zeigte sich erleichtert über die Entscheidung Webers und sprach von einer "lange fälligen Entscheidung": "Wir haben alle Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Betrieb und der Abrechnung unserer 19 Kindertagestätten transparent dargestellt, Missverständnisse ausgeräumt und offene Fragen geklärt."

Die Awo-Führung werde die weitere Prüfung durch das Stadtschulamt tatkräftig unterstützen "und das Verhältnis zu den städtischen Stellen weiter normalisieren", versicherte der Vorstandsvorsitzende Steffen Krollmann. "Durch die Rückkehr zur vollständigen Auszahlung der Zuschüsse normalisiert sich unsere wirtschaftliche Situation." Gleichzeitig sprach Krollmann von einer "Herkulesaufgabe", verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

Die frühere Awo-Führung war unter anderem wegen überhöhter Gehälter und Luxus-Dienstwagen sowie mangelnder Transparenz in Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen mehrere frühere Verantwortliche. Mittlerweile sind das ehrenamtliche Präsidium und der hauptamtliche Vorstand neu aufgestellt.

dpa