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Politik Deges übergibt gerodete A49-Trasse
Mehr Hessen Politik Deges übergibt gerodete A49-Trasse
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12:57 01.03.2021
Polizeibeamte gehen an einem Gerät vorbei, das bei Rodungsarbeiten im Einsatz ist.
Polizeibeamte gehen an einem Gerät vorbei, das bei Rodungsarbeiten im Einsatz ist. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Homberg/Ohm

Nach den Rodungen für den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen hat die Baugesellschaft am Montag offiziell die Flächen übernommen. Diese werde jetzt die Vorbereitungen fortsetzen und dann mit den Bauarbeiten beginnen, erklärte die Projektgesellschaft Deges am Montag. Bis Ende 2024 solle der Hauptteil der Bauleistungen abgeschlossen sein. Umwelt- und Klimaschützer kündigten weiteren Widerstand gegen das Vorhaben an.

Für den Weiterbau der A49 waren Bäume im Dannenröder Forst und im Maulbacher Wald bei Homberg/Ohm (Vogelsbergkreis) sowie im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) gefallen. Während sich die Autobahnbefürworter weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Straßenanbindung erhoffen, sehen Umweltaktivisten das Projekt im Widerspruch zu einer umweltfreundlichen Verkehrswende. Deshalb hatten sie vor allem im Dannenröder Forst Baumhäuser und Barrikaden errichtet, die im vergangenen Herbst schrittweise von der Polizei geräumt wurden.

"Es gibt keinen Grund, aufzuhören", sagte "Noah" vom Bündnis "Wald statt Asphalt". "Nur weil die letzten Bäume gefällt sind, heißt das nicht, dass sich irgendwas an der sich anbahnenden Klimakatastrophe geändert hat. Deshalb müssen wir weitermachen und versuchen, einen Wandel herbeizuführen, mit dem wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten können." Von 9. bis 18. April ist am Dannenröder Wald ein Klima-Camp geplant. Auch eine weitere Vernetzung und Bildungsarbeit sowie "eventuell auch direkte Aktionen" seien in Planung, sagte der Aktivist.

Auch der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen, Jörg Nitsch, erklärte, die Übergabe der Flächen sei "kein Grund zur Freude. Hinter der Durchsetzung von Planungsdinosauriern wie der A49 steht ein System, das den Straßenneubau verewigt und die Mobilitätswende ausbremst." Der Kampf um den Dannenröder Wald sei auch ein "Kampf für eine bessere Verkehrspolitik, in deren Mittelpunkt der Klimaschutz steht", so Nitsch. Zugleich forderte er eine Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans, der bis 2030 allein 850 Kilometer zusätzliche Autobahnen in Deutschland vorsehe.

Am Wochenende endete die Fällperiode, die wegen der Brut- und Setzzeit von Tieren jeweils von 1. Oktober bis 28. Februar läuft. Deshalb hatte die Projektgesellschaft Deges von Anfang an darauf abgezielt, die Rodungen und Nacharbeiten zu diesem Datum abzuschließen. Aktuell stehe noch der Rückbau eines Logistikzentrums, das für die Baumfällungen errichtet worden war, sowie die Sanierung einer Straße zwischen Homberg-Dannenrod und -Appenrod an. Außerdem würden die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen fortgesetzt.

Für den Bau und Betrieb des Projektes war die A49 Autobahngesellschaft mbH & Co. KG gegründet worden, an der ein Tochterunternehmen des österreichischen Baukonzerns Strabag sowie die Meridiam Investments SAS zu je 50 Prozent beteiligt sind. Es handelt sich um ein Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft mit einer Laufzeit von 30 Jahren seit 1. September 2020. Nach der Fertigstellung des Lückenschlusses zwischen Neuental (Schwalm-Eder-Kreis) und Gemünden/Felda (Vogelsbergkreis) soll die A49 Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-640026/2

dpa