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Minister kündigt Hitzeaktionsplan für Hessen an
Minister kündigt Hitzeaktionsplan für Hessen an
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16:51 27.06.2022
Eine Pflegefachkraft zieht einem Klienten einen Kompressionsstrumpf an.
Eine Pflegefachkraft zieht einem Klienten einen Kompressionsstrumpf an. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

Das hessische Hitzewarnsystem soll laut einer Ankündigung von Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) bis Frühjahr 2023 zu einem Hitzeaktionsplan ausgeweitet werden. Der Schutz der Menschen und speziell der Risikogruppen vor Hitze werde dadurch verstärkt, sagte er am Montag in Wiesbaden. Grundlage sei ein entsprechendes Papier des Bundesumweltministeriums. "Ziel dieser Pläne ist es, hitzebedingte und UV-bedingte Erkrankungen und Todesfälle durch Prävention zu vermeiden", heißt es dort.

Beim hessischen Hitzeaktionsplan gehe es unter anderem darum, die Bevölkerung, aber auch Fachpersonal im Gesundheitswesen weiter zu sensibilisieren und zu informieren, erläuterte die Leiterin der entsprechenden Landesarbeitsgruppe, Ann-Kathrin Piro. Während das Hitzewarnsystem an bestimmte Temperaturwerte gekoppelt ist, solle der Aktionsplan auch viele vorbeugende Aspekte beinhalten, erläuterte Klose. Dazu zählten etwa Tipps für baulichen Hitzeschutz an Häusern.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht seine Pflegeeinrichtungen in Hessen unterdessen gut auf die Hitzeperioden im Sommer vorbereitet. Da es in den vergangenen Jahren bereits längere Zeiträume mit sehr hohen Temperaturen gab, seien die Maßnahmen eingespielt, teilte der DRK-Landesverband auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit. Die Warnmeldungen des Deutschen Wetterdienstes kämen per Newsletter in die Einrichtungen.

Ab Hitzewarnstufe eins würden die Konzepte greifen: Die Raumtemperaturen in den Pflegeeinrichtungen würden dann täglich gemessen und dokumentiert. Es werde besonders darauf geachtet, dass die Bewohner eine ausreichende Menge Flüssigkeit trinken und es eine Zufuhr an Elektrolyten gibt. Aktivitäten im Freien fänden eher in den kühleren Abendstunden statt. Dazu gibt es laut DRK Maßnahmen zur Kühlung des Raumklimas: Morgens und abends werde gut gelüftet, die Räume würden durch Rollläden gekühlt und Ventilatoren aufgestellt.

Hitzewellen zählen zu den Extremwetterereignissen, die durch den fortschreitenden Klimawandel häufiger auftreten und damit eine zunehmende Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung darstellen, wie das Bundesumweltministerium erläutert. Heiße Tage mit Lufttemperaturen über 30 Grad Celsius und Tropennächte, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad fällt, könnten den menschlichen Organismus stark belasten.

Bei hohen Temperaturen muss das körpereigene Kühlsystem sich mehr anstrengen, um die normale Körpertemperatur von circa 37 Grad Celsius zu halten. "Diese zusätzlichen Belastungen des Herz-Kreislaufsystems sowie ein möglicher Flüssigkeitsmangel durch verstärktes Schwitzen können zu hitzebedingten Erkrankungen wie zum Beispiel Hitzeerschöpfung, Hitzekrämpfen, einem Hitzschlag oder Austrocknung führen, die zum Teil lebensbedrohlich sind", warnen die Experten.

Bei besonders trockener Witterung erhöht sich auch die Waldbrandgefahr. In diesem Jahr gab es in Hessen rund 45 Waldbrände mit einer Gesamtfläche von etwa acht Hektar, wie das Umweltministerium mitteilte. Besonders Mitte Juni habe es eine Häufung gegeben. "Bei vielen Waldbränden wird Brandstiftung als Ursache vermutet", teilte das Ministerium mit.

Die Niederschläge der zurückliegenden Tage hätten aktuell zu einem Rückgang der Waldbrandgefahr geführt. Da für Mitte der Woche weiterer Regen angekündigt sei, werde bis zum Beginn des Wochenendes eine weiterhin sehr geringe bis lokal mittlere Waldbrandgefahr prognostiziert.

Bei der Versorgung der Kliniken in Hessen mit Blutkonserven sei die Lage noch immer angespannt, teilte das DRK mit. Nach den Feiertagswochen mit vielen Kurzreisen in der Bevölkerung sei die Zahl der Blutspenden zwar wieder etwas gestiegen. Gerade bei der besonders wichtigen Blutgruppe Null-negativ sei die Lage in Hessen aber derzeit bedrohlich. Besonders mit Blick auf die bevorstehenden Sommerferien seien daher weitere Blutspenden wichtig.

© dpa-infocom, dpa:220627-99-816955/4

dpa