Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Studie: Geringe Dunkelziffer bei Infektionen in Rhein-Main
Mehr Hessen Politik Studie: Geringe Dunkelziffer bei Infektionen in Rhein-Main
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:01 26.05.2020
Ein Mitarbeiter hält in einem Abstrichzentrum einen Coronatest-Abstrich in der Hand. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
Anzeige
Wiesbaden

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es offenbar vergleichsweise wenige unerkannte Infektionen mit dem Coronavirus. Das legt eine neue, unrepräsentative hessische Studie nahe, die am Dienstag in Wiesbaden vorgestellt wurde. Demnach wurden von 1000 Studienteilnehmern sechs positiv getestet, vier davon wussten nichts von ihrer Infektion. "Unsere Ergebnisse sprechen für eine geringere Infektionsrate in der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet", erklärte Sandra Ciesek, Direktorin der Medizinischen Virologie des Universitätsklinikums in Frankfurt. Die Studie wurde zusammen mit dem Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg erstellt.

Untersucht worden waren Mitte April 1000 freiwillige Mitarbeiter von Infraserv, dem Standortbetreiber des Industriepark Höchst in Frankfurt. Die Virologen nahmen einen Nasen-Rachen-Abstrich und eine Blutprobe, um auch überstandene Infektionen zu erkennen. Bei einem der Teilnehmer wurde eine akute Infektion festgestellt, bei fünf Personen wurden Antikörper als Zeichen einer überstandenen Infektion gefunden.

Anzeige

Der Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt am Main, René Gottschalk, bezeichnete die Ergebnisse als "erstaunlich": Die Durchseuchung - also die Patienten, die ohne ihr Wissen eine Infektion hatten - sei relativ gering. Zum Vergleich: Das Robert Koch-Institut verweist in der Dunkelzifferfrage auf Studien, die von einer zehn- bis zwanzigfachen Dunkelziffer in China ausgingen.

"Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man diese Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung übertragen möchte", erklärte der Marburger Virologe Stephan Becker. Es seien viele regionale Studien nötig, um ein Gesamtbild zu bekommen. Zudem sei es entscheidend, durchgemachte Infektionen durch die schon bekannten Coronaviren und durch das neue SARS-CoV-2 zu unterscheiden. So hatte es zunächst 29 Verdachtsfälle unter den 1000 Studienteilnehmern gegeben, von denen aber nach aufwendigen Tests nur sechs übrig blieben.

Laut Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat sich die Situation in Hessens Krankenhäusern weiter entspannt. Derzeit befänden sich alle sechs hessischen Versorgungsgebiete in der Corona-Pandemie wieder auf der ersten von vier Stufen. Das heißt, dass weniger als 50 Prozent der Gesamtkapazität der Kliniken belegt sind.

Zuletzt seien in den hessischen Krankenhäusern 10 941 stationäre Betten inklusive der Beatmungs- und Intensiv-Überwachungsbetten frei gewesen. Das seien 1100 Betten mehr als vor einer Woche. Die Gesamtzahl der Covid-19-Patienten in den hessischen Krankenhäusern liegt bei 450, davon seien 112 Personen beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig. Derzeit gibt es 804 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern.

dpa

Anzeige