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Politik Corona-Kontakte: Verfolgung in "nahezu allen Ämtern möglich"
Mehr Hessen Politik Corona-Kontakte: Verfolgung in "nahezu allen Ämtern möglich"
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05:35 22.02.2021
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Darmstadt/Kassel

Gästelisten, Kontaktformulare mit Telefonnummern oder die Corona Warn-App: Instrumente für eine Nachverfolgung von Infektionsketten gibt es in der Pandemie mehrere. Mit den drastisch steigenden Infektionszahlen im November und Dezember stießen einige Gesundheitsämter in Hessen aber an ihre Grenzen. Mittlerweile sieht man dort aber Licht am Ende des Tunnels. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

"Im Gegensatz zum Ende des vergangenen Jahres 2020 melden die Gesundheitsämter, dass insbesondere in den letzten zwei Wochen eine vollständige Kontaktpersonennachverfolgung in nahezu allen Ämtern möglich ist", teilte das hessische Sozialministerium mit. Die Nachverfolgung der Infektionswege sei das maßgebliche Instrument zur Eindämmung der Pandemie.

Schon Mitte Oktober hatte Sozialminister Kai Klose (Grüne) gesagt, dass die Belastung der Gesundheitsämter durch die Kontaktnachverfolgung auf einem außerordentlich hohen Niveau sei. Schon damals gaben Gesundheitsämter an, dass Corona-Infektionsquellen nicht mehr ermittelbar sind. Damals lag die Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, in den Kommunen noch im zweistelligen Bereich. Anschließend nahmen die Neuinfektionen drastisch zu. Städte und Kreise meldeten Inzidenzen im deutlich dreistelligen Bereich.

Mittlerweile zeigt der seit Mitte Dezember laufende Lockdown mit umfangreichen Schließungen und auch vorübergehenden Ausgangsbeschränkungen Wirkung. Die Zahlen sinken. Bei der Kontaktnachverfolgung stockten die Kommunen personell auf, holten sich Hilfe und haben mittlerweile mehr Routine.

"Das ist wirklich sehr erfreulich", sagte der Sprecher der Stadt Kassel, Claas Michaelis. "Die Infektionswege lassen sich wieder nachverfolgen." Dies sei um die Weihnachtstage nicht der Fall gewesen. Eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen sei so gut wie nicht möglich gewesen, aber das sei ja fast überall so gewesen. In dieser Zeit seien fast 160 Mitarbeiter nur mit Kontaktverfolgung beschäftigt gewesen. Die Stadt Kassel war vor einigen Tagen hessenweit die erste Kommune, in der die Inzidenz wieder unter der niedrigsten Warnstufe von 35 lag.

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden entspannt sich die Situation. "Ja, da mit den sinkenden Inzidenzen ebenfalls das diffuse Infektionsgeschehen zurückgegangen ist, können die Infektionswege mittlerweile wieder besser zurückverfolgt werden", teilte ein Sprecher mit. Es stehe ausreichend Personal zur Verfügung. Dennoch lasse sich längst nicht jede Infektionsquelle feststellen. Die höchste Inzidenz habe es noch vor dem Lockdown Mitte November mit Werten deutlich über 250 gegeben. "Durch die Vielzahl an Neuinfektionen war eine zeitnahe Überprüfung von Infektionswegen und das Ermitteln von Kontaktpersonen binnen 24 Stunden auch durch erhöhten Personaleinsatz nicht möglich", sagte der Sprecher über die damalige Situation.

Auch in Hessens größter Stadt Frankfurt gab es im November kurzzeitig bei Inzidenzen von 300 für zwei Wochen vorübergehend Probleme bei der Nachverfolgung. Jetzt ließen sich die Infektionswege besser verfolgen, allerdings habe man mit einer Aufstockung des Personals bis auf diese zwei Wochen zu jeder Zeit die neu gemeldeten Fälle zügig kontaktieren können. Aber: "Unabhängig von der Inzidenz gelingt es in weniger als 50 Prozent der Fälle, die Infektionsquelle ausfindig zu machen", teilte eine Sprecherin des Gesundheitsamtes mit. Gründe dafür seien die Zahl der vorangehenden Kontakte und die Tatsache, dass es asymptomatische Überträger gebe, die sich nicht identifizieren lassen.

Nach Auskunft des Magistrats von Darmstadt sollte eine Nachverfolgung unter einem Inzidenzwert von 50 grundsätzlich möglich sein. Die Angaben der Stadt verdeutlichen wie drastisch teils Personal in der Pandemie im Infektionsschutz aufgestockt wurde. Vor der Corona-Krise hätten dort fünf Vollzeitkräfte gearbeitet. Jetzt seien dort im Corona-Team rund 60 Fachkräfte, mehr als zehn Medizinstudenten, 25 Soldatinnen und Soldaten sowie einige vom Land und vom Landkreis abgeordnete Mitarbeiter.

Im Odenwaldkreis und im Kreis Fulda, in denen die Inzidenzen zwischenzeitlich über dem Wert von 350 lagen, ist nach eigener Auskunft die Nachverfolgung mit zusätzlichen Mitarbeitern zu jeder Zeit gelungen. Auch im Kreis Groß-Gerau hieß es: "Wir konnten zu jedem Zeitpunkt seit dem zweiten Lockdown - auch unterstützt durch den Einsatz einer speziellen Fallbearbeitungs-Software - zeitnah die Kontaktpersonen ermitteln und ebenfalls unter Quarantäne stellen." Die Einschränkungen in Kitas und Schulen seien hier hilfreich gewesen.

Nach Angaben des Sozialministeriums sind derzeit gut 320 Angehörige der Bundeswehr in den hessischen Gesundheitsämtern für die Ermittlung von Infektionswegen im Einsatz. Zusätzlich unterstütze die Bundeswehr in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

© dpa-infocom, dpa:210222-99-537870/2

dpa