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Politik Corona-Impfstart in Hessen: "Ein besonderer Tag"
Mehr Hessen Politik Corona-Impfstart in Hessen: "Ein besonderer Tag"
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17:32 27.12.2020
Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten. Quelle: Friso Gentsch/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Wiesbaden

Zehn Monate nach dem ersten Corona-Fall in Hessen haben in dem Bundesland die Impfungen gegen das Virus begonnen. Eine der ersten, die die schützende Spritze bekam, war die Krankenschwester Zeynep Kallmayer, die sich am Frankfurter Universitätsklinikum um Covid-19-Patienten kümmert. Neben medizinischem Personal werden in der ersten Phase der Massenimpfung Menschen in Senioren- und Pflegeheimen geimpft. In Frankfurt und mehreren Landkreisen waren mobile Impfteams unterwegs, um den Bewohnerinnen und Bewohnern den schützenden Piks zu verpassen. Andere Kommunen sollten an diesem Montag folgen.

"Auf diesen Moment habe ich seit Frühjahr gewartet", sagte die Betriebsärztin des Frankfurter Uniklinikums und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), Sabine Wicker, zum Impfstart. "Die Impfungen sind unser einziger Weg, diese Pandemie zu beenden."

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Auch der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Frankfurt würdigte den Impfstart. "Heute ist ein besonderer Tag", sagte Mediziner Jürgen Graf. "Wir verbinden damit die Hoffnung, dass wir in sechs bis neun Monaten zu einem geregelten Leben zurückfinden werden." Am Uniklinikum, einem der Schwerpunktzentren für Covid-19-Patienten in Hessen, sollten am Sonntag und Montag 185 Mitarbeiter geimpft werden.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: "Jede Impfung hilft, das Virus zurückzudrängen. Sobald ausreichend Dosen geliefert werden, impfen wir an sieben Tagen die Woche - auch an Wochenenden und Feiertagen." Bouffier sprach vom "Tag 1 der größten Impfaktion unseres Landes". Er bedankte sich bei allen, die bei den Impfungen mithalfen.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) reagierte ebenfalls erfreut. "Auf diesen Moment hat Frankfurt zehn Monate gewartet", teilte er mit. "Natürlich hätten wir uns zum Auftakt mehr Impfstoff gewünscht, doch der Anfang ist gemacht. Dass es jetzt endlich losgeht, gibt uns Hoffnung - und motiviert uns durchzuhalten. Denn noch ist das Virus nicht besiegt." In der Mainmetropole waren zum Auftakt am Sonntag mobile Impfteams in drei Alten- und Pflegeeinrichtungen unterwegs.

Am Samstag waren in Hessen die ersten 10 000 Dosen des Biontech-Pfizer-Impfstoffs angekommen. Das Vakzin wird in einem geheimen Lager bei Minustemperaturen zwischengelagert und von dort aus an die Impfzentren verteilt. Die ersten 5000 Dosen wurden an mobile Impfteams und Schwerpunkt-Kliniken gegeben. Die zweiten 5000 werden für die nötige zweite Impfung zurückgehalten.

Der Bund hat Hessen weitere Lieferungen noch in diesem Jahr in einer Größenordnung von fast 100 000 Dosen in Aussicht gestellt. Sobald Impfstoff in ausreichendem Maße vorhanden ist - und ein Großteil der Menschen in Heimen und Krankenhäusern geimpft ist - sollen in Phase zwei sechs zentrale Impfstellen in Hessen öffnen: in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.

Laut Innenministerium könnte das voraussichtlich Mitte bis Ende Januar der Fall sein. Dann sollen unter anderem Mitarbeiter der Rettungsdienste und der ambulanten Pflegedienste sowie alle Menschen ab dem 80. Lebensjahr drankommen, die nicht in den Senioren- und Pflegeheimen geimpft wurden. Erst in Phase drei sollen alle Impfzentren in Betrieb gehen.

Bundesweit sollen bis Ende des Jahres 1,3 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Ende März sollen es schon über zehn Millionen sein. Anders als geplant hatten nicht alle den gemeinsamen bundesweiten Impfstart am Sonntag abgewartet: In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt waren schon am Samstag eine 101-Jährige und etwa 40 weitere Bewohner geimpft worden.

Die erste Impfung in Hessen wurde auf den Tag genau zehn Monate nach Entdeckung des ersten hessischen Corona-Falls verabreicht: Am 27. Februar wurde erstmals bei einem Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen.

In Hessen wurden binnen 24 Stunden weitere 1325 Corona-Infektionen gemeldet. Insgesamt liegt die Zahl der seit Beginn der Pandemie registrierten Fälle bei nunmehr 131 434, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts in Berlin von Sonntag (Stand 0.00 Uhr) hervorgeht. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 61 auf 2484. Damit kommt Hessen landesweit in den vergangenen sieben Tagen auf 161,8 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Während der Feiertage und zum Jahreswechsel sei bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass weniger getestet und weniger Ergebnisse gemeldet würden, erklärte das RKI.

Nach Angaben des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden zuletzt in Hessen 489 Corona-Patienten in Krankenhäusern auf Intensivstationen behandelt (Stand: Sonntag 12.15 Uhr). Das entsprach 28 Prozent aller belegten Intensivbetten. 263 Covid-19-Patienten wurden beatmet. Hessenweit waren - auch mit Patienten mit anderen Krankheiten - 1726 von 2048 Intensivbetten belegt.

In einem Altenheim in Grünberg (Landkreis Gießen) wurden 44 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 13 Pflegekräfte positiv auf das Coronavirus getestet. Die Infizierten seien isoliert worden, für die Einrichtung gelte ein Besuchsverbot, teilte die Kreisverwaltung am Sonntag mit. Der Reihentest sei bereits vor Heiligabend vorgenommen worden.

dpa