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Politik Corona-Bildungslücke: Schulen sollen mehr Geld bekommen
Mehr Hessen Politik Corona-Bildungslücke: Schulen sollen mehr Geld bekommen
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18:17 29.04.2021
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Wiesbaden

Um Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler aus der Corona-Pandemie zu kompensieren, sollen Hessens Schulen mehr Geld vom Land bekommen. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden an. "Wir werden allen Schulen Mittel zur Aufstockung ihrer Schulbudgets zur Verfügung stellen", sagte er. "Denn das ist für mich der Königsweg." Damit könnten die Schulen vor Ort die Maßnahmen ergreifen und finanzieren, die sie für sinnvoll und erforderlich hielten. Dies könnten beispielsweise zusätzliche Förderkurse oder Hausaufgabenhilfen sein.

Die Pandemie habe zu einer hohen Belastung gerade von Kindern und Jugendlichen geführt, betonte Lorz. Umso wichtiger sei es, die Schulen in den Blick zu nehmen. Dabei gehe es nicht nur um Lernrückstände, sondern auch der Mangel etwa an sozialen Kontakten und Bewegung mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Dies auszugleichen sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte der Minister. Das Problem müsse sehr grundsätzlich und mit langem Atem angegangen werden.

Die Abgeordneten waren sich fraktionsübergreifend einig, dass Schülerinnen und Schüler bei der Kompensation von Corona-Lernrückständen unterstützt werden müssen. Die Opposition warf der Landesregierung jedoch vor, das Problem nicht konsequent anzugehen.

243 000 Jugendliche ab Klasse sieben seien seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen, sagte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. "Das Coronavirus hat psychische Spuren bei so vielen hinterlassen, die man mit ein paar Lerncamps sicher nicht wegwischen kann." Es dürfe nicht nur darum gehen, Lernrückstände aufzuarbeiten, sondern man müsse auch psychische und soziale Probleme in den Blick nehmen, sagte Degen. Im Land werde jedoch beim dringend nötigen Corona-Aufholprogramm gezaudert und gezögert.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte: "Die Vereinbarung von Bund und Ländern, eine Milliarde Euro für Nachhilfe zur Verfügung zu stellen, greift viel zu kurz und wird diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, kaum erreichen." Längst hätten Konzepte zur individuellen Förderung und Angebote für psychosoziale Probleme entwickelt werden müssen.

Der AfD-Abgeordnete Dimitri Schulz schlug einen schulspezifischen Ergänzungsunterricht vor. Dabei müsse Präsenzunterrichts erste Wahl sein. Nach sechs Monaten sollte die Qualität des Ergänzungsunterricht mit Tests überprüft werden, sagte Schulz.

"Die Schulen sind im Ausnahmezustand, die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes haben im Kern zu einem Lockdown für Kinder geführt, und Kinder- und Jugendpsychologen schlagen seit Monaten Alarm", sagte der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny. Die Liberalen schlagen unter anderem das "Konzept der offenen Schule" vor. Dann erhielten Schülerinnen und Schüler, die nach Einschätzung ihrer Lehrkraft besonders unter den Schließungen leiden, in der Schule einen Arbeitsplatz sowie die notwendige Infrastruktur und Ansprechpartner.

Außerdem sollten "digitale Schuljahre" im Netz bereitgestellt werden, damit Schüler versäumten Stoff gut nachholen könnten. Unterstützung könnte es auch von Studenten geben, die als "Lernbuddys" schwächeren Schülern zur Seite stehen - und dann diese Leistung auf das Studium angerechnet bekommen.

"Seit Monaten wird über Lernrückstände diskutiert, aber die Landesregierung hat nicht entschlossen genug gehandelt", sagte Promny. Die Rückstände seien noch nicht mal erhoben.

© dpa-infocom, dpa:210429-99-406396/3

dpa