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Politik Castoren mit Atommüll in Biblis eingetroffen
Mehr Hessen Politik Castoren mit Atommüll in Biblis eingetroffen
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13:04 04.11.2020
Das Schild «Radioactive» ist an einem Castortransport angebracht. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Biblis

Ohne größere Zwischenfälle sind sechs Castor-Behälter mit deutschem Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield auf das Kraftwerksgelände im südhessischen Biblis gebracht worden. Der rund 600 Meter lange Zug, der am Dienstagabend im niedersächsischen Hafen Nordenham gestartet war, erreichte am Mittwochvormittag seinen Zielort. Nun sollen die Behälter dort abgeladen und in das Zwischenlager auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks im Kreis Bergstraße gebracht werden.

"Mit der Zwischenlagerung der sechs Castoren in Biblis übernimmt Hessen seinen Teil der Verantwortung, bis das Endlager für hoch radioaktive Abfälle gefunden und der Atomausstieg damit endgültig besiegelt ist", sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Nach Angaben des Ministeriums befinden sich bereits 102 Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus dem früheren Atomkraftwerks Biblis im dortigen Zwischenlager.

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Nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten mehr als 11 000 Polizisten den Castor-Transport begleitet, da es in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen zu Blockadeaktionen gekommen war. Atomkraftgegner hatten auch diesmal Proteste angekündigt, unter anderem in Biblis versammelten sie sich zu einer Kundgebung.

Der Transport verlief jedoch weitgehend störungsfrei. Lediglich auf dem letzten Teilstück vom Bahnhof Biblis zum Kraftwerksgelände sorgte eine Gleisbesetzung für eine kurzzeitige Verzögerung. Nach Angaben der Bundespolizei wurden fünf Demonstranten weggetragen, gegen einen von ihnen sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, weil er sich aktiv widersetzt habe. Das Bündnis "Castor-stoppen" erklärte, dass sich an vielen Bahnhöfen spontan Menschen getroffen und die Durchfahrt des Zuges mit Protest begleitet hätten.

Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren gewesen. Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus der britischen Anlage Sellafield wie aus der französischen Anlage La Hague. Die Castor-Behälter waren zuvor per Schiff aus Großbritannien nach Deutschland gebracht worden.

Umweltschützer hatten den Transport des hochgefährlichen Materials kritisiert, sie sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück. Die für den Transport zuständige Firma Gesellschaft für Nuklear-Service teilte mit, erneute Messungen an den Castoren bei der Umladung am Hafen Nordenham hätten gezeigt, dass der gesetzliche Grenzwert für die maximal zulässige Strahlung weit unterschritten worden sei.

Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. Die Polizei verwies auf ein umfassendes Hygienekonzept, die Gesundheit aller Beteiligten genieße höchste Priorität.

dpa