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Politik Steigende Corona-Zahlen: Verschärfte Maßnahmen geplant
Mehr Hessen Politik Steigende Corona-Zahlen: Verschärfte Maßnahmen geplant
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19:41 15.10.2020
Auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil wird auf die Maskenpflicht verwiesen. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main/Wiesbaden/

Der Alltag der Menschen in Hessen wird wieder stärker von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beherrscht. Es gibt neue Verschärfungen, während die Infektionszahlen vor allem in den Großstädten steigen. Auch zu den wirtschaftlichen Folgen der vergangenen Monate gibt es neue Zahlen.

FALLZAHLEN - Die Zahl der neuen Corona-Infektionen steigt in Hessen weiter deutlich an. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts in Berlin vom Donnerstag wurden innerhalb eines Tages weitere 662 Fälle bestätigt. Zwei Menschen starben demnach an den Folgen einer Infektion, insgesamt gibt es damit bisher 569 Todesfälle. Seit Beginn der Pandemie wurden 23 481 Infektionen gemeldet.

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Zu den Corona-Hotspots in Hessen gehören weiterhin mehrere Städte und Kreise: Kassel hat eine Sieben-Tage-Inzidenz von 97,5 - das ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb sieben Tagen. Als kritische Schwelle gilt der Wert 50. In der Stadt Offenbach liegt die Inzidenz bei 89,8, im Kreis Groß-Gerau bei 71,4. Frankfurt weist einen Wert von 69,2 auf, der Main-Taunus-Kreis einen von 54,9 auf.

HESSEN UND DIE VERSCHÄRFUNG DER CORONA-REGELN - Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die von Bund und Ländern beschlossene Verschärfung der Corona-Regeln begrüßt. "Über die konkrete Umsetzung der Beschlüsse in Hessen wird zeitnah das hessische Corona-Kabinett beraten", teilte er am Donnerstag in Wiesbaden mit. "Wir müssen jetzt gemeinsam die richtigen Maßnahmen treffen, damit wir unsere Schulen und Kitas offen und unsere Wirtschaft am Laufen halten können."

Am Mittwoch hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, die Schwelle für strengere Maßnahmen in deutschen Corona-Hochburgen zu senken. Diese sollen bereits ab 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen greifen statt bisher bei 50.

SPERRSTUNDE IN FRANKFURT - Angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen in Frankfurt wird die seit der vergangenen Woche geltende Sperrstunde um 23.00 Uhr bis Ende Oktober verlängert. Das hat der Verwaltungsstab der Stadt am Donnerstag beschlossen. Parallel zur Sperrstunde in Bars, Kneipen und Restaurants werde ein generelles Alkoholverkaufsverbot in der Zeit zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr morgens eingeführt, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach der Sitzung des Krisenstabs. Zudem gilt von Montag an im gesamten Innenstadtbereich eine Maskenpflicht.

Am Mittwoch noch hatte die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner an sieben aufeinanderfolgenden Tagen 70,9 betragen und war damit nicht mehr weit entfernt von der höchsten Warnstufe des Landes Hessen.

INTENSIVBETTEN - Nach den jüngsten Zahlen des Sozialministeriums (Stichtag 13. Oktober, 11.00 Uhr) liegen 399 Covid-19-Patientinnen und -Patienten in hessischen Krankenhäusern. Davon sind 67 Personen beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig. Am Stichtag seien 6188 stationäre Betten inklusive der Beatmungs- und Intensiv-Überwachungsbetten frei gewesen. Das seien 23 Betten mehr als noch eine Woche zuvor.

Das Ministerium habe diese Daten in der Corona-Pandemie erstmals am 26. März zusammengestellt. Demnach befanden sich zu dem Zeitpunkt 527 Covid-19-Patientinnen und -Patienten in stationärer Behandlung, davon 88 in Intensivbetten und beatmet.

BESUCHSREGELN IN HANAUER KLINIKEN - Aus Sorge um die Sicherheit ihrer Patienten haben die Hanauer Kliniken verschärfte Besuchsregeln beschlossen, die von Montag (19. Oktober) an gelten. In den ersten sechs Tagen ihres Klinikaufenthalts können Patienten weiterhin maximal zwei Mal Besuch empfangen, allerdings werden die Besuchsmöglichkeiten auf jeweils eine feste Bezugsperson pro Patient beschränkt. "Wir wissen, dass dieser Schritt für unsere Patienten und deren Angehörige nicht einfach ist, uns ist aber wichtig, dass wir ihnen den bestmöglichen Schutz bieten können, und das bedingt aktuell leider eine Einschränkung des Personenverkehrs", sagte Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikum Hanau.

LOCKDOWN UND SELBSTÄNDIGKEIT - Während des Corona-Shutdowns im Frühjahr haben sich in Hessen deutlich weniger Menschen getraut, ein Gewerbe anzumelden. Im zweiten Quartal des Jahres lag die Zahl der Anmeldungen mit knapp 12 000 um 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete. Besonders deutlich waren die Einbrüche zwischen April und Juni in den Bereichen "Kunst, Unterhaltung und Erholung" (-46,4 Prozent) sowie im Gastgewerbe (-35,1 Prozent). Diese Branchen waren von der Corona-Krise besonders betroffen. Weitgehend stabil blieben hingegen die Anmeldungen im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Energie- und Wasserversorgung sowie bei Verkehr und Lagerei.

TOURISTENZAHLEN - Die Corona-Pandemie hat weiter erhebliche Auswirkungen auf den hessischen Tourismus. Die Beherbergungsbetriebe zählten im August 45 Prozent weniger Gäste und 37 Prozent weniger Übernachtungen als noch im gleichen Monat 2019, wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden mitteilte. 36 Prozent weniger Inlandsgäste blieben über Nacht, aus dem Ausland reisten sogar 71 Prozent weniger Gäste an.

WEIHNACHTSMÄRKTE TROTZ CORONA - Trotz der Corona-Pandemie kann es in Hessen Weihnachtsmärkte geben - aber mit Auflagen. Die Veranstalter wollen unter anderem die Fläche der Weihnachtsmärkte ausdehnen und sie dadurch entzerren, wie eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Auch sollen Stände für Speisen und Getränke einen Verzehrbereich einrichten, in dem die gleichen Hygiene- und Abstandsregeln gelten wie in Restaurants.

MASSENINFEKTION IN KASSEL - Nach einem Corona-Ausbruch mit 112 Fällen in einer Kasseler Flüchtlingseinrichtung kritisieren dort eingesetzte Ärzte das Krisenmanagement des Regierungspräsidiums Gießen. "Weil zu viele Menschen auf zu kleinem Raum zu eng zusammen sind, ist es zu dieser Häufung gekommen", sagte der Allgemeinmediziner Helmuth Greger, Organisator des Ärzteteams der Erstaufnahme am Donnerstag. Eine Isolation Kranker sei dort sehr problematisch. Das Regierungspräsidium erwiderte, eine Verlegung komme aus fachlichen Gründen nicht in Betracht. Dadurch könnten neue Infektionsketten ausgelöst werden. Kassel hatte wegen des Ausbruchs unter anderem eine Waffenbörse verbieten wollen, das wurde jedoch vom Verwaltungsgericht gekippt. Die Stadt kündigte Beschwerde gegen die Entscheidung an.

KREIS BERGSTRAßE: Wegen der gestiegenen Infektionszahlen tritt von Samstag an eine Allgemeinverfügung bis mindestens Ende Oktober in Kraft. Danach gilt in der Gastronomie, in Übernachtungsbetrieben sowie in Mensen, Kantinen und Cafés eine Maskenpflicht; ebenso in Gängen von Gemeinschaftseinrichtungen. In Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen sollen die Besuche stärker gesteuert werden. Veranstaltungen mit mehr als 250 Menschen werden nicht mehr genehmigt. Bereits erteilte Genehmigungen erlöschen. Einschränkungen gibt es auch in den Schulen - bis Mitte November: An den Grundschulen soll nur im Klassenverband unterrichtet werden. Ab der Sekundarstufe II, auch in den Berufsschulen, sollen die Schüler auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

dpa