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Politik Bistum trennt sich von mehreren Schulen und Tagungshäusern
Mehr Hessen Politik Bistum trennt sich von mehreren Schulen und Tagungshäusern
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15:43 30.09.2020
Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz, auf dem Weg zu einer Versammlung. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Mainz

Kirchenaustritte, demografischer Wandel, Wirtschaftskrise: Wegen der sich weiter verschlechternden Finanzlage wird sich das Bistum Mainz von 5 der insgesamt 18 Schulen in seiner Trägerschaft trennen. Außerdem sollen drei Tagungshäuser geschlossen werden. Betroffen sind Standorte in den beiden Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz. Bischof Peter Kohlgraf sprach am Mittwoch von "schmerzhaften Einschnitten".

Für vier Schulen laufen den Angaben zufolge derzeit Gespräche zur Übernahme der Trägerschaft: Liebfrauenschule Bensheim (Hessen), Hildegardisschule Bingen, Martinus-Grundschule in Mainz-Gonsenheim und das Ketteler-Kolleg und -Abendgymnasium in Mainz (alle Rheinland-Pfalz). Zudem soll für das Theresianum-Ganztagsgymnasium in Mainz eine eigene Trägerkonstruktion geschaffen werden, möglicherweise in Form einer Stiftung. Bei der Mainzer Martinus-Schule Weißliliengasse, einer Grund- und Realschule plus, ist ein Ausbau des Realschulzweigs vorgesehen. Dagegen soll der Grundschulzweig der organisatorisch verbundenen Schule schrittweise verkleinert werden und ab dem Schuljahr 2022/23 keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen.

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Geplant ist zudem die Schließung folgender Tagungseinrichtungen: Haus am Maiberg in Heppenheim, Haus St. Gottfried in Ilbenstadt (beide in Hessen) und das Kardinal-Volk-Haus auf dem Rochusberg in Bingen. Das Haus im Niddataler Stadtteil Ilbenstadt soll bereits Ende dieses Jahres geschlossen werden, die anderen beiden Einrichtungen Ende 2022. Für alle betroffenen Beschäftigten im Bereich der Schulen und Tagungshäuser soll nach individuellen Lösungen gesucht werden.

Das Bistum Mainz liegt zu etwa zwei Dritteln auf hessischem und zu einem Drittel auf rheinland-pfälzischem Gebiet. Allein von 2018 auf 2019 ist die Zahl der Kirchenmitglieder dort um 16 000 Katholikinnen und Katholiken gesunken. Der von Kohlgraf eingeschlagene sogenannte Pastorale Weg, mit dem sich die Diözese auf den tiefgreifenden Wandel einstellen will, sieht unter auch die Zusammenführung von 134 örtlichen Einheiten auf 50 Pfarreien und die Einführung eines Zweckverbandes für Kindertagesstätten vor.

Bischof Kohlgraf sagte am Mittwoch, mit der Neustrukturierung gehe das Bistum einen Weg, der unvermeidlich sei, um für die verbleibenden Schulen und Tagungseinrichtungen eine tragfähige Zukunft zu schaffen. Die Umgestaltung bedeute aber keinen Abschied der Kirche von Kindern und Jugendlichen, betonte er. Schulseelsorge und Religionsunterricht blieben weiterhin wichtige Begegnungsorte zwischen Kirche und Heranwachsenden.

Weihbischof Udo Markus Bentz, der auch für wirtschaftliche Angelegenheiten des Bistums zuständig ist, erklärte, der Haushalt sei bereits seit mehreren Jahren defizitär und könne nur durch Entnahmen aus den Rücklagen ausgeglichen werden. Im aktuellen Haushaltsjahr 2020 gehe das Bistum von einem Fehlbetrag von rund 32 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von 357 Millionen Euro aus. Obendrein hätten die Corona-Krise und die wirtschaftliche Talfahrt, in der sich Deutschland derzeit befinde, negative Auswirkungen auf die Kirchensteuerentwicklung der nächsten Jahre. Um dauerhaft eine solide und verantwortungsvolle Haushaltsplanung vorlegen zu können, müsse das Bistum schrittweise 20 bis 25 Prozent seiner Ausgaben einsparen.

Bildungsdezernent Gereon Geissler betonte, es sei das Ziel des Bistums, allen Einrichtungen unter veränderten Vorzeichen eine gute Zukunftsperspektive zu geben. Mit der Veröffentlichung der Pläne stünden nun Gespräche mit den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz, den jeweiligen Kommunen und anderen freien Trägern an. "Wir haben sie über unsere Pläne in Kenntnis gesetzt und sind in guten Gesprächen", sagte er.

dpa