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Politik Bischof Hein: Lübcke-Mord "völlig unbegreiflich"
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09:22 24.09.2019
Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck spricht auf einer Kundgebung. Quelle: Uwe Zucchi/Archivbild
Kassel

In 19 Amtsjahren hat Bischof Martin Hein viel erlebt. Doch wenige Monate vor seinem Abschied wurde der 65-Jährige mit einem Vorfall konfrontiert, mit dem er nie gerechnet hätte - der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). "Dass es dazu kommt, dass ein irregeleiteter Rechtsextremist einen Menschen umbringt, nur weil der sich für die Aufnahme von Flüchtlingen zu humanen Bedingungen eingesetzt hat, bleibt für mich völlig unbegreiflich", sagt Hein.

In dieser Situation war er auch als Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) gefragt. Hein sprach auf der Trauerfeier Lübckes und nahm an zwei Demonstrationen gegen Rechtsextremisten, Gewalt und Hass teil. Dabei prangerte der Bischof immer wieder Häme und Hetze im Internet an, die selbst nach dem Tod des CDU-Politikers weitergingen. "Das hat vielen die Augen geöffnet, wohin der entfesselte Hass und die entfesselten Ressentiments im Netz führen können." Man lebe in einem "aufgeheizten Klima der Empörungskultur".

Zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen will sich der gebürtige Wuppertaler auch in Zukunft äußern. Dazu gehört für ihn beispielsweise das Verwischen der Grenzen zwischen Mensch und Tier in der Gentechnologie. Doch ab Sonntag (29. September) wird er sich nicht mehr als Bischof zu Wort melden. Dann wird Hein bei einem Festgottesdienst in der Kasseler Martinskirche verabschiedet.

In Heins Amtszeit ist die Landeskirche kleiner geworden - die Mitgliederzahl sank von rund einer Million auf knapp 800 000. "Die schwindende Mitgliederzahl ist nur bedingt auf Austritte zurückzuführen", sagt er. Im Gebiet der EKKW, Nord- und Osthessen sowie ein kleiner Teil von Thüringen (Schmalkalden), gebe es weiter weniger Geburten als Sterbefälle und die Abwanderung qualifizierter junger Menschen. Dem müsse die Politik entgegenwirken, auch um den Süden zu entlasten: "Ich beharre darauf, dass der Nord-Osten stärker durch die Landesregierung gefördert wird, sonst wachsen uns die Probleme in Rhein-Main über den Kopf."

In wichtigen Fragen sieht er die Kirche als Vorreiter - auch wenn das nicht immer wahrgenommen werde. "Fridays for Future ist eine wunderbare Bewegung. In den Kirchen sind wir mit dem Thema Klimaschutz seit 40 Jahren unterwegs und haben längst nicht diese Resonanz erzielt." Es sei aber trotzdem gut, dass es nun in den Mittelpunkt rücke.

Stolz ist Hein auf die Entwicklung der theologischen Ausbildung. "Wir haben derzeit keinen Pfarrermangel, das ist auch Folge einer sehr perspektivischen Personalplanung." Auch die Annäherung an die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sei wichtig. Die Ökumene sei ein Erfolg. "Wir sind da aber nicht soweit, wie wir sein könnten."

Nachfolgerin von Hein wird die 56-jährige Beate Hofmann. Die frühere Direktorin des Instituts für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement der Kirchlichen Hochschule Bethel/Bielefeld sei die erste Bischöfin in Hessen. "Jeder Wechsel ist eine Zäsur und soll es auch sein", sagt Hein. Die Kirche werde an ihrem Kurs aber festhalten.

Nach seinem Abschied will Hein einen Monat lang nichts machen. Ehrenämter will er danach weiter ausfüllen: "Ich werde als sogenannter Senior Advisor bei der Vorbereitung der Weltversammlung des Weltkirchenrates in Karlsruhe 2021 mitarbeiten." Ein Senior Advisor ist eine erfahrene Führungskraft.

Hein stammt aus Wuppertal und ging in Hanau und Frankfurt am Main zur Schule. Er studierte erst Jura, dann Theologie. 1982 promovierte er, später folgte dann die Habilitation im Fach Evangelische Theologie/Religionspädagogik mit Schwerpunkt Kirchengeschichte. Im Jahr 2000 folgte die Wahl zum Bischof. 2005 wurde Hein zum Honorarprofessor an der Universität Kassel ernannt. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

dpa

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