Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Beuth erleichtert über "NSU 2.0"-Festnahme
Mehr Hessen Politik Beuth erleichtert über "NSU 2.0"-Festnahme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:47 04.05.2021
Peter Beuth (CDU), Innenminister des Landes Hessen.
Peter Beuth (CDU), Innenminister des Landes Hessen. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
Anzeige
Wiesbaden

"Die Drohschreiben hatten einen sehr schwerwiegenden Verdacht auf die Polizei gelenkt", erklärte Beuth am Dienstag. "Nach allem, was wir heute wissen, war nie ein hessischer Polizist für die NSU 2.0-Drohmailserie verantwortlich." Zugleich versicherte der Minister, man werde aus dem Fall "weitere Lehren für unsere Sicherheitsbehörden ziehen. Die Ermittlungen werden mit der gleichen Beharrlichkeit und Akribie, die jetzt zum Erfolg geführt haben, fortgesetzt."

Zuvor war in Berlin bei einer Wohnungsdurchsuchung ein 53-jähriger Mann festgenommen worden, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Hessische Landeskriminalamt in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt hatten. Er stehe im dringenden Verdacht, "seit August 2018 unter dem Synonym "NSU 2.0" bundesweit eine Serie von Drohschreiben mit volksverhetzenden, beleidigenden und drohenden Inhalten verschickt zu haben", erklärten die Behörden.

Nach dpa-Informationen soll sich der Mann die Informationen über die Angeschriebenen mutmaßlich auch bei Behörden beschafft haben. Dafür soll er möglicherweise telefonisch bei Behörden wie dem Einwohnermeldeamt entsprechende Anfragen gestellt haben. Im Raum stehe auch, dass sich der Mann über das Darknet illegal verbreitete Daten der Betroffenen beschafft haben könnte, hieß es.

Beuth erklärte, ein Team um den polizeilichen Sonderermittler Hanspeter Mener habe "zehn Monate lang nichts unversucht gelassen, um den mutmaßlichen Täter aus der Anonymität des Darknets zu reißen". Die "jahrelangen widerlichen Drohungen und Einschüchterungen gegen Personen des öffentlichen Lebens" könnten nun in einem rechtsstaatlichen Verfahren geahndet werden. "Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, können Dutzende unschuldige Opfer sowie die gesamte hessische Polizei aufatmen", so der Innenminister.

Zuvor hatte im Raum gestanden, dass Adressen von Opfern aus Polizeicomputern stammten. Mitte März hatte Beuth von mittlerweile insgesamt 133 verschickten Drohschreiben berichtet, von denen 115 dem Tatkomplex "NSU 2.0" zugerechnet würden. Darin sei eine Vielzahl personenbezogener Daten zu mehr als 20 der betroffenen Personen enthalten, hatte der CDU-Politiker berichtet Bei diesen Daten lägen derzeit keine Hinweise vor, dass sie aus polizeilichen Datenbanken stammen. Über die drei festgestellten Abfragen von hessischen Polizeicomputern hinaus, die durch die zeitliche Nähe zu Drohmails mit diesen in Verbindung stehen könnten, seien in diesem Zusammenhang im Land keine weiteren Datenabfragen bei der hessischen Polizei bekannt geworden. Die Ermittlungen richten sich gegen "Unbekannt" und würden in alle Richtungen geführt, hatte Beuth Mitte März erklärt.

© dpa-infocom, dpa:210504-99-459086/2

dpa