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Politik Barmer: Mehr Kinder brauchen psychotherapeutische Hilfe
Mehr Hessen Politik Barmer: Mehr Kinder brauchen psychotherapeutische Hilfe
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09:16 18.04.2021
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Wiesbaden

Die Zahl der psychotherapeutisch behandelten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahren ist innerhalb der vergangenen elf Jahre stark gestiegen. Das geht aus dem Arztreport 2021 der Krankenkasse Barmer hervor. Sie hatte als Grundlage die Daten von bundesweit mehr als 1,6 Millionen jungen Menschen ausgewertet und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Demnach beanspruchten 2009 2,42 Prozent der hessischen Kinder und Jugendlichen psychotherapeutische Hilfe. 2019 waren es mit mehr als 69 000 Betroffenen bereits 4,48 Prozent. Das entspricht laut Barmer einem Anstieg von rund 85 Prozent. Damit liegt Hessen nach Berlin (5,19 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (4,7 Prozent) an dritter Stelle.

Die rund 69 000 betroffenen jungen Menschen in Hessen nahmen 2019 rund 41,84 Millionen Therapie-Minuten in Anspruch - auf alle rund 1,55 Millionen hessischen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgerechnet ergibt das laut Krankenkasse einen Pro-Kopf-Bedarf von 27,1 Minuten. Damit liegt Hessen 22 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Am häufigsten litten die jungen Menschen im Alter bis zu 24 Jahren im Jahr 2019 an Anpassungsstörungen. Diese waren laut Barmer für 23 Prozent der Therapien ursächlich, gefolgt von Depressionen mit 18,4 Prozent und Angststörungen mit 14 Prozent. Das Durchschnittsalter für eine erstmalige Therapie lag bei 15,8 Jahren.

Im ersten Halbjahr 2020 stieg die Zahl der hessischen Kinder und Jugendlichen, die eine sogenannte Richtlinientherapie in Anspruch genommen haben, um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Anstieg sei deutlich, falle aber niedriger aus als im Vorjahr, teilte die Barmer mit. Von der ersten Hälfte 2018 zur ersten Hälfte 2019 sei der Bedarf in Hessen noch um 7,6 Prozent gestiegen. Die Zahlen seien mit Blick auf die Corona-Pandemie aber vorsichtig zu interpretieren, die Tendenz im ersten Halbjahr 2020 könne nicht mit der tagesaktuellen Situation gleichgesetzt werden. Ursächlich für den vergleichsweise moderaten Anstieg könnten "Effekte des ersten Lockdowns sein aber auch Unsicherheiten und Fehleinschätzungen über den eigenen Therapiebedarf in einer gesamtgesellschaftlichen Ausnahmesituation."

© dpa-infocom, dpa:210418-99-249141/2

dpa