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Politik Kirchen stellen Corona und Menschenwürde in den Mittelpunkt
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17:22 26.12.2020
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht.
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Limburg/Mainz/Trier/Speyer

Vertreter der Kirchen haben in Rheinland-Pfalz zu Weihnachten die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt gerückt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kritisierte mit Blick auf erschreckende Bilder des Jahres 2020 etwa aus Bergamo die Missachtung der Menschenwürde. Weihnachten sei das große Fest der Menschenwürde, sagte der Limburger Bischof in einer am Freitag im Internet übertragenen Weihnachtspredigt.

"In Bergamo werden Särge auf Militärtransportern zum stillen Begräbnis auf umliegende Friedhöfe gefahren. Solche Szenen in einem Nachbarland habe ich noch nie ansehen müssen, und sie haben ein tiefes Erschrecken in mir hinterlassen", sagte Bätzing mit Blick auf die Todesopfer der Corona-Pandemie. Die Pandemie sei neben den Auswirkungen des Klimawandels wohl die größte humanitäre Katastrophe seit vielen Jahrzehnten weltweit.

Auch Terror und Gewalt verletzten die Menschenwürde. Antisemitische, islamistische, rechts- und linksextreme Gewalt nehme weltweit zu. Der Bischof erinnerte an die Vertreibung und Ermordung von Minderheiten oder auch die zunehmende häusliche Gewalt in der Pandemie. Auch Gewalt gegen Kinder machte er zum Thema. Der Missbrauchskomplex von Münster habe ein Ausmaß des Grauens offenbart, sagte er.

In einer Predigt im Mainzer Dom legte Bischof Peter Kohlgraf die Weihnachtsbotschaft als konkret erfahrbaren Zuspruch in Zeiten der Pandemie aus. In diesem Jahr falle die "übliche Weihnachtsseligkeit" teilweise weg, sagte der Geistliche am ersten Weihnachtsfeiertag in einer feierlichen Messe. Dafür gebe es nun Raum, "wie durch ein Brennglas auf den tiefsten Sinn des heutigen Festes" zu schauen.

"Das Kind, das so mühsam geboren wird und einen schweren Weg vor sich hat, offenbart mir einen Sinn, der sich nicht in klugen Worten erschöpft, sondern gelebt werden will", sagte der Mainzer Bischof nach dem Predigtmanuskript. Der Kern dieser Sinnerfahrung sei es, bedingungslos und ohne Vorbehalte geliebt zu werden. "Geliebte Menschen geben einander Sinn. Wer sich geliebt weiß, wird nie sagen können: Es ist doch alles nur schlecht, absurd, sinnlos."

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann sagte laut einer Mitteilung anlässlich einer Christmette im Dom, in diesem Jahr habe sich die "globale Verletzlichkeit unserer Welt" allumfassend und einschneidend gezeigt. Selbstverständlich angenommene Sicherheiten seien ins Wanken geraten.

Glaube und Zuversicht können nach Ansicht des scheidenden Pfälzer Kirchenpräsidenten Christian Schad in den Tagen der Corona-Pandemie Trost spenden. Dass Gott als Mensch, als verwundbares Kind, an Weihnachten auf die Welt gekommen sei, sei eine Freudenbotschaft, "der stärkste Grund für unsere Hoffnung", sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz in seiner Weihnachtspredigt in der Speyerer Gedächtniskirche.

Auch Bischof Stephan Ackermann sah in seiner Predigt im Trierer Dom einer Mitteilung zufolge die Weihnachtsbotschaft gerade in Pandemiezeiten als Mutmacher. Sie sei in Zeiten gesteigerter Ängste, in der Menschen Angst hätten, krank zu werden, andere anzustecken, sich falsch zu verhalten, um ihre Existenz bangten oder auch wie nach der Amokfahrt in Trier trauerten oder verunsichert seien, eine "wichtige Gegenbotschaft".

Ähnlich klang das bei dem Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung. Weihnachten sei ein Fest, das in der Corona-Pandemie Hoffnung mache und Kraft zum Leben gebe. "Wer Vertrauen und Hoffnung in sich hat, bekommt neue Kraft", erklärte Jung im ZDF-Gottesdienst aus Ingelheim. Der Alltag sei angesichts der Corona-Pandemie gegenwärtig von "dunklen Schatten" bestimmt. Das "Licht der Heiligen Nacht" könne das Leben aufhellen.

An vielen Orten in Rheinland-Pfalz mussten Gottesdienste wegen der Pandemie anders als sonst gefeiert werden, auch mal draußen oder rein digital. "Trotz allem wird die Weihnachtsbotschaft ihren Weg in die Herzen der Menschen finden", hatte sich der Pfälzer Kirchenpräsident Schad zuvor zuversichtlich gezeigt.

dpa