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Politik Kirchen sprechen in Corona-Krise zu Ostern Mut zu
Mehr Hessen Politik Kirchen sprechen in Corona-Krise zu Ostern Mut zu
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14:22 12.04.2020
Georg Bätzing steht auf dem Vorplatz des Doms. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Mainz

Hohe Kirchenvertreter haben in der Corona-Krise den Gläubigen in Rheinland-Pfalz zu Ostern Mut zugesprochen und Hoffnung gemacht. "Furcht ist das derzeit bestimmende Lebensgefühl vieler Menschen", sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf laut vorab verbreitetem Redemanuskript in der Osternacht am Samstag im Mainzer Dom. "Furcht vor der Ansteckung, tiefe Angst vor dem Tod, Angst vor dem Alleinsein, die Erfahrung der Überforderung, die Angst vor dem Verlust auch der materiellen Grundlagen, berufliche Sorgen und vieles andere mehr."

Die Botschaft an Ostern sei daher nicht: alles halb so schlimm. "Die Botschaft ist: Du bist nicht allein, das Leben siegt, du hast eine Perspektive", betonte er. Der Bischof setzte auch auf nachhaltige, positive Folgen der Krise: "Viele Menschen geben Hoffnung weiter, obwohl sie manchmal selbst nicht weiterwissen, obwohl sie berechtigte Angst um die Gesundheit und die eigene Existenz haben." Die Menschen werden hoffentlich über die Krise hinaus wachsamer füreinander sein, so Kohlgraf.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, sagte sogar, die Krise könnte zum "Glücksfall der Geschichte" werden. "Hoffentlich lehrt uns diese Krise, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind", sagte der Bischof am Sonntag in einer Ostermesse im Limburger Dom nach einem vorab von der DBK verbreiteten Predigttext. Wegen der Corona-Krise und Ansteckungsgefahren blieben die Kirchen am Osterwochenende leer.

Die Krise, so schlimm sie auch sei, habe viel Gutes hervorgebracht. "So viel Freundlichkeit und Humor habe ich selten erlebt", sagte der Limburger Bischof, der Anfang März zum Nachfolger des bisherigen DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx gewählt worden war. "Wir haben es in der Hand, ob wir diese geschenkte Nähe festigen und zusammenrücken oder wieder auseinanderdriften."

Auch aus Sicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann kann die Corona-Krise positive Folgen für das Osterfest haben. Dessen Kraft werde durch die Krise nicht gemindert, sagte er am Sonntag im Trierer Dom laut vorab verbreiteter Predigt. Auch wenn in diesem Jahr "uns so manches von dem versagt bleibt, was wir traditionell mit Ostern verbinden", werde das Fest in seiner Substanz nicht von der Krise "vermiest", sagte er. Vielmehr könne die Krise helfen, die Kraft, die im Osterfest stecke, neu zu entdecken.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann deutete die Corona-Krise in seiner Predigt am Ostersonntag auch als Chance. Sie lehre uns, "wie wichtig, wie kostbar die zwischenmenschlichen Räume sind, die wir nicht nur den wirtschaftlichen Interessen oder den Machtlobbys dieser Welt überlassen dürfen", sagte er laut einer Mitteilung des Bistums. Womöglich könne "durch diese einschneidende Erfahrung unsere Welt menschlicher werden, bereiter um der Zukunft willen auch Verzichte auf sich zu nehmen", um der Solidarität willen die Würde aller zu schützen.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, erinnerte in einer Osterandacht an Covid-19-Patienten und ihre Angehörigen. In den Fürbitten erbat er auch Mut, Kraft und Besonnenheit für Ärzte und Pflegekräfte, "die in diesen schweren Tagen so viele Fragen beantworten und Entscheidungen treffen müssen", teilte die Protestantische Landeskirche am Sonntag mit.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, verteidigte die Behörden-Anordnungen zur Eindämmung der Pandemie. Dazu zählt auch, dass öffentliche Gottesdienste verboten wurden. "Dass wir uns zurzeit nicht in den Kirchen versammeln, um Gottesdienste zu feiern, ist richtig. Es geht darum, dass wir alles tun müssen, um eine schnelle Ausbreitung der tückischen Krankheit zu verhindern", erklärte Jung.

dpa

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