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Politik Weihnachten soll Zuversicht und Hoffnung schenken
Mehr Hessen Politik Weihnachten soll Zuversicht und Hoffnung schenken
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10:12 25.12.2020
Georg Bätzing spricht bei einem Gottesdienst.
Georg Bätzing spricht bei einem Gottesdienst. Quelle: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
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Fulda

Hoffnung, Zuversicht und Mitmenschlichkeit - Vertreter der Kirchen in Hessen haben an Heiligabend die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft gerade in Zeiten der Corona-Pandemie hervorgehoben. "Christ, der Retter, ist da" - diese Verheißung aus dem Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" hätten die Hirten auf den Feldern im Weihnachtsevangelium als erste gehört, und über die Zeiten hinweg sei sie ins Heute gedrungen, erklärte der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, laut vorab veröffentlichtem Predigttext an Heiligabend. "Und indem wir Weihnachten feiern, lebt diese Botschaft und kann die Menschen heute in ihren Nächten erreichen, so dass keiner mehr verzweifeln muss."

Für viele Menschen sei die Nacht eine besonders intensive Zeit, so Bätzing. Schmerzen drückten mehr als tagsüber, und auch Verlust und Einsamkeit seien dann spürbarer. Zweifel meldeten sich lauter, wenn es still um einen herum werde. Andererseits wachse aber auch neue Hoffnung über Nacht, und Kranke verspürten Besserung.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volkder Jung, erklärte in der Predigt im ZDF-Gottesdienst: "Wer Vertrauen in sich hat, bekommt neue Kraft. Wir bekommen solche Kraft. Innere Kraft und Geduld, um auszuhalten, dass wir nicht alles machen können. Kraft, um respektvoll und gut miteinander zu leben, um uns gegenseitig zu schützen und füreinander zu sorgen." So wie jene Frau, die seit einigen Monaten jeden Tag nach ihrem alten Nachbarn schaue, der allein lebt. "Und wenn sie nicht hingehen kann, ruft sie ihn an", sagte Jung. "Oder der junge Arzt auf der Intensivstation, der in diesem Jahr seine Eltern nicht besucht, weil er sie nicht in Gefahr bringen will, aber jetzt mit ihnen lange per Video redet."

Der Alltag angesichts der Corona-Pandemie sei von "dunklen Schatten" bestimmt, so Jung. Das "Licht der Heiligen Nacht" mit der Zusage Gottes, immer an der Seite von bedrohten Menschen zu stehen, könne das Leben aufhellen. "Ich wünsche so sehr, dass das Licht der Heiligen Nacht uns gerade jetzt erreicht. Mit dem Licht der Heiligen Nacht ist auch die dunkelste Nacht nicht mehr dunkel."

Für den Fuldaer Bischof Michael Gerber ist das diesjährige Weihnachtsfest von der Sorge um Mitmenschen geprägt. Weihnachten 2020 konfrontiere uns "mit der Zerbrechlichkeit des Lebens", sagte Gerber laut Mitteilung in einer Videobotschaft zum Weihnachtsfest. "Vieles, was wir in diesen Wochen tun und vor allem auch vieles, was wir nicht tun können, steht unter dem Vorzeichen, besonders gefährdetes Leben zu schützen."

Inzwischen kenne fast jeder im persönlichen Umfeld Menschen, die an Covid-19 erkrankt seien. "Viele von uns betrauern den Tod von lieben Angehörigen, die an und mit Corona gestorben sind." So gebe es bei nicht wenigen die Sorge, wie sie dieses Weihnachtsfest gut verbringen können: "Sie werden alleine zuhause sein oder auf engstem Raum zusammen mit Familienangehörigen, wo möglicherweise manche Spannung vorprogrammiert ist", so Gerber.

Die Botschaft des Engels im Evangelium der Heiligen Nacht - "Heute ist Euch der Heiland geboren" - erscheine vielen heute "inzwischen zwar fremd oder gar altertümlich", erklärte Gerber, doch liege darin eine tiefe Botschaft. "Hier wird die heilsame Wirkung der Gegenwart Jesu erfahrbar." Jesus sei auch "Heiland da, wo persönliche Beziehungen und Partnerschaften in eine Krise geraten sind".

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte in einer digitalen Andacht, Weihnachten hänge "nicht an uns, auch nicht an Corona. Weihnachten wird es, weil Gott Mensch geworden ist." Die Krippe lasse sie an Menschen denken, die in diesen Tagen etwas täten, das andere trage, so die Bischöfin. "Ich denke an Pflegekräfte, die für viele alte und für kranke Menschen in diesen Tagen zur Familie werden, sie hindurchtragen durch Quarantäne, Krankheit und Einsamkeit."

Ihre Gedanken seien auch bei jenen, die in den letzten Monaten Sorgenetze geknüpft hätten, etwa durch Telefonketten, Einkaufshilfen oder Gartenzaungespräche, sagte Hofmann. "Wo ich andere trage, mich anbiete als Krippe, wo sie ihre Sorgen hineinlegen können, da bin ich selbst getragen, und da wächst Freude."

dpa