Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Awo-Revisoren kritisierten schon 2019 Vergabepraktiken
Mehr Hessen Politik Awo-Revisoren kritisierten schon 2019 Vergabepraktiken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:52 07.02.2020
Ulli Nissen spricht im Bundestag. Quelle: Fabian Sommer/dpa/Archiv
Anzeige
Frankfurt/Main

Schon im vergangenen Sommer mahnten die damaligen Revisoren der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) "Nachholbedarf" bei den Vergabepraktiken des Verbands an. Die Diskussion über die Wirtschaftlichkeit und Auswahl bei Vergaben in der Awo habe mit der Diskussion "über einen einzelnen Vorgang aus dem Bereich der Rechtsberatungskosten" begonnen, sagte die frühere ehrenamtliche Revisorin und Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) am Freitag in Frankfurt. Nissen und ihr Mit-Revisor hatte ihre Ämter im vergangenen Dezember niedergelegt.

Als Revisoren hätten sie seinerzeit Richtlinien bei der Vergabe von Aufträgen und Mandaten an externe Dienstleister empfohlen, um unter anderem künftig das für den Kreisverband günstigste Verhandlungsergebnis sicherstellen zu können. So hatten die beiden Revisoren bemerkt, dass die Rechtsberatungskosten in den Jahren 2016 und 2017 auch im Vergleich zu 2015 gestiegen waren. Ab einer noch festzulegenden finanziellen Grenze "sollten auch der Kreisvorstand beziehungsweise dann das Präsidium das jeweilige Projekt genehmigen", habe eine weitere Empfehlung des Revisionsberichts gelautet.

Anzeige

Auch wenn seinerzeit erste Vorwürfe im Zusammenhang mit zwei von der Awo betriebenen Flüchtlingsunterkünften aufkamen, hätten die Revisoren eine Entlastung für die beiden Geschäftsjahre empfohlen - ebenso aber auch eine weitere externe Wirtschaftsprüfung. Den ehrenamtlichen Prüfern seien dabei die eigenen Grenzen bewusst gewesen: "Es wäre völlig illusorisch anzunehmen, wir könnten als Ehrenamtler aus eigener Fachkompetenz die Bücher der Awo Frankfurt angemessen prüfen", zitierte Nissen aus dem Bericht, der im Sommer 2019 der Kreiskonferenz vorgestellt worden sei. "Hier sind ausgewiesene Experten für Bilanzen, Buchführung und Steuern erforderlich, was wir beide nicht sind. Zumal wir für eine eigene Prüfung auch nicht die erforderliche Zeit aufwenden könnten."

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt im Zusammenhang mit Betrugs- und Untreue-Verdacht gegen mehrere Personen der Kreisverbände in Frankfurt und Wiesbaden. Die Stadt Frankfurt stellte Strafanzeige. Auf einer Kreiskonferenz Mitte Februar soll ein neues Präsidium gewählt werden.

dpa