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Politik Gewerkschaft: Polizeistellen können nicht besetzt werden
Mehr Hessen Politik Gewerkschaft: Polizeistellen können nicht besetzt werden
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13:32 24.07.2020
Polizeianwärter, fotografiert in einer Ausbildungssituation. Quelle: Polizei BW/Innenministerium Baden-Württemberg/dpa
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Wiesbaden

In der hessischen Polizei gibt es nach Gewerkschaftsangaben derzeit Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. Bilder von Gewaltattacken gegen Beamte wie jüngst auf dem Frankfurter Opernplatz und Berichte über Pöbeleien und Beschimpfungen hätten natürlich Auswirkungen, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hessen, Peter Wittig. Aber auch die Einstellungsvoraussetzungen und die unterschiedlichen Besoldungen innerhalb der Polizeien in Deutschland seien ein Grund. Die eigentlich zum September erhofften rund 500 Neueinstellungen werde man nicht erreichen. "Wenn wir bis dahin bei 400 angekommen sind, ist das schon gut", sagte Wittig. "Wir hinken ein bisschen hinterher."

In Hessen können nach Angaben des Innenministeriums 2020 insgesamt bis zu 1100 Stellen besetzt werden. Einstellungstermine sind im Februar und im September. Die Zahl der zu besetzenden Stellen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. 2010 wurden dem Ministerium zufolge noch 551 Frauen und Männer eingestellt. Ausgewählt wird heute nur noch für den gehobenen Dienst. "Hierfür studieren die Polizeianwärterinnen und -anwärter an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung und müssen alle als Zulassungsvoraussetzung über eine Hochschulzugangsberechtigung wie beispielsweise Abitur, Fachabitur verfügen", teilte das Ministerium mit.

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Beim Auswahlverfahren zur Zulassung zum Studium würden kognitive Fähigkeiten im Rahmen eines Computertests abgefragt. Zudem gebe es einen Sporttest und die kommunikativen Eigenschaften der Bewerber würden in einer Gruppendiskussion und einem Einzelinterview getestet. Beim intellektuell kognitiven Test würden gut die Hälfte der Bewerberinnen und Bewerber bestehen, davon seien rund 80 Prozent beim Sporttest erfolgreich. Bei den kommunikativen Eigenschaften liege die Erfolgsquote dann bei rund 75 Prozent.

"Wir haben eine Menge an Bewerbern, wollen aber auch die Voraussetzungen für den Polizeidienst nicht reduzieren." Alleine bei den gestaffelten Einstellungstests mit Rechtschreib- und Computerkenntnissen, sportlicher Eignung und persönlichen Interviews würden schon eine Menge Bewerber auf der Strecke bleiben. 2019 bewarben nach Angaben des Innenministeriums 2908 Frauen und 5367 Männer bei der hessischen Polizei. 325 Frauen und 623 Männer wurden schließlich eingestellt.

Andere, geeignete Kandidaten entscheiden sich der Gewerkschaft zufolge kurzfristig um. So sei zum Beispiel bei der Bundespolizei die Bezahlung für Einsteiger nach der Ausbildung höher. Da gebe es im gehobenen Dienst vom Kommissar bis zum Ersten Hauptkommissar erhebliche Unterschiede.

Bilder wie jüngst am Opernplatz oder in Stuttgart, zunehmende Angriffe auf Einsatzkräfte und Pöbeleien gegen Polizisten seien sicher auch ein Grund, die Polizeilaufbahn zu meiden. Lokale Befindlichkeiten würden für eine Bewerbung aber keine Rolle spielen. "Wenn ich Polizist werden will, schaue ich mir die Lage in ganz Deutschland an", sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Jens Mohrherr. Fragen seien, wer biete den besten Schutz, wo gebe es das meiste Geld. Aber die Gewalt gegen Einsatzkräfte sei natürlich ein Hemmnis. "Der Mensch in Uniform wird ja gar nicht mehr gesehen."

Vor 10, 15 Jahren hat man sich Wittig zufolge noch keinen Kopf um Gewalt gemacht. Mittlerweile gebe es aber auch Ratschläge von Eltern, die Polizisten sind: "Mach das lieber nicht." Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) fordert schon seit geraumer Zeit härter Strafen bei Attacken gegen Einsatzkräfte.

dpa