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Politik Armutsquote in Hessen steigt weiter: Über Bundesdurchschnitt
Mehr Hessen Politik Armutsquote in Hessen steigt weiter: Über Bundesdurchschnitt
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16:44 20.11.2020
Ein Obdachloser sitzt an einer Straße.
Ein Obdachloser sitzt an einer Straße. Quelle: picture alliance / dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Berlin

Der Anteil armer Menschen in Hessen ist nach Daten eines Sozialverbands im vergangenen Jahr weiter gestiegen und lag im zweiten Jahr in Folge über dem Bundesdurchschnitt. Die Armutsquote stieg von 15,8 Prozent im Vorjahr auf 16,1 Prozent, wie aus dem Armutsbericht 2020 des Paritätischen Gesamtverbandes hervorgeht, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Damit blieb Hessen im Vergleich der Bundesländer auf Platz sieben - in sechs Bundesländern ist die Quote niedriger. Bundesweit lag die Quote bei 15,9 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Der Verband analysiert die bereits im August veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes zur sogenannten Armutsgefährdungsquote, oft auch einfach Armutsquote genannt. Dem Bericht zufolge ist die Quote nahezu flächendeckend in Deutschland gestiegen - elf der 16 Bundesländer waren 2019 betroffen. Den schlechtesten Wert zeigte Bremen mit einer Armutsquote von 24,9 Prozent. Hessen wiederum war zwischen 2006 und 2019 das Bundesland mit dem stärksten Zuwachs - um 34,2 Prozent.

"Die Zahlen waren schon vor Corona alarmierend, mit der Pandemie hat sich die Entwicklung dramatisch verschärft", sagte die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Hessen, Yasmin Alinaghi. Die Linke im Landtag forderte "radikale Schritte der Umverteilung", deutliche Mietpreissenkungen und einen zügigen Ausbau des sozialen Netzes. Statt zu reagieren, "versucht es die schwarzgrüne Landesregierung mit fortgesetztem Totschweigen des Problems", sagte die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Christiane Böhm.

Armut wird in reichen Ländern wie Deutschland nicht über direkte Not, wie Hunger oder Obdachlosigkeit definiert, sondern über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe. Die Armutsgefährdungsquote gibt dabei den Anteil der Bevölkerung an, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Bei einem Einpersonenhaushalt lag diese Grenze in Deutschland im vergangenen Jahr bei 1074 Euro im Monat.

dpa